Tafeltrauben - Diskussionsforum
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Reblaus
Beiträge: 274 | Punkte: 1483 | Zuletzt Online: 04.08.2022
Wohnort
Neustadt an der Weinstrasse
Registriert am:
09.10.2017
Geschlecht
männlich
    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Biologisch-dynamischer Anbau von Tafeltrauben" geschrieben. 04.08.2022

      Zwischendurch mal wieder ein Beitrag vom Biodynamiker.

      Soviel vorweg: dieses Jahr ist das erfolgreichste seit ich Tafeltrauben anbaue. Kein Frost, kein Hagel und so gut wie kein Regen. Ein Traumjahr für Trauben und Tomaten.

      Bislang habe ich keinen einzigen Ausfall zu verzeichnen. Selbst die äußerst empfindlichen Sorten entwickeln sich bislang hervorragend. Gespritzt wird nur bei Bedarf, je nach Wetterlage. Der starre Spritzplan früherer Jahre wurde verworfen und ist längst Vergangenheit. Im Durchschnitt wird seit dem 4-Blatt-Stadium so alle 14 Tage ein Hokuspokus-Mittelchen gespritzt. Zum Einsatz kommen neben den biodynamischen Präparaten diverse Tees zur Pflanzenstärkung, Molke sowie zu besonders kritischen Zeiten Netzschwefel, Natriumhydrogenkarbonat und / oder Wasserstoffperoxyd. Die Tees zur Pflanzenstärkung enthalten vor allem Extrakte aus Polyphenolen, also sekundären Pflanzenstoffen mit antioxidativer Wirkung, Schachtelhalmextrakt sowie Staudenknöterich. Wann was gespritzt wird entscheidet die Wetterlage sowie eventuelle erste Krankheitsanzeichen.

      Leider hat es in diesem Jahr im Gegensatz zum letzten Jahr so gut wie nie geregnet. Insofern stellt dieses Jahr keine richtige Herausforderung für mich dar. Einerseits schön nach dem schwierigen letzten Jahr, andererseits fehlt die Rückkopplung, ob die Extrakte in einem Jahr mit durchschnittlichen Regenfällen auch bei Pero ihre erhoffte Wirkung entfalten. Oidium hat seinen Schrecken für mich schon seit einiger Zeit verloren und ist aufgrund o.g. Spritzungen kein ernst zu nehmender Gegner mehr für den Biodynamiker. Jahrelange Erfahrung und Beobachtung der Vorgänge im Rebgarten lassen zur richtigen Zeit die richtige Spritzung erfolgen. Oidium tritt bei mir dieses Jahr nur bei ganz wenigen einzelnen Beeren oder Stielgerüstteilen auf. Geschätzt ist dies weit weniger als 1 Prozent gemessen an der Gesamtmenge Trauben. Oidium ist biologisch exzellent bekämpfbar, chemische Spritzungen sind hier definitiv nicht erforderlich! Aber man muss ständig wachsam sein und darf sich nicht zu sicher fühlen.

      Einziger Wermutstropfen: die enorme Hitze und extreme Sonneneinstrahlung hat in diesem Jahr mehr Sonnenbrand verursacht als jemals zuvor. Das ist zwar bezogen auf die Gesamternte keine Tragik, aber doch ärgerlich. Im Endeffekt ist mir ein wenig Sonnenbrand aber lieber als der mögliche Schaden durch Oidium. Auch dieser Schaden beträgt weit weniger als 1 Prozent.

      Glück hatte ich bei den letztjährig gepflanzten Reben. Diese haben es mangels ausreichender Wurzelmasse bei der Hitze nicht geschafft, die oberen Triebe regelhaft zu versorgen. Diese sind vertrocknet, treiben aber mittlerweile knapp unterhalb der vertrockneten Stellen wieder aus. Ohne Wassergabe, was ich zu Gunsten der Wurzelentwicklung eigentlich ablehne, wären diese Reben vielleicht sogar eingegangen.

      Welche Maßnahmen wurden in diesem Jahr durchgeführt?

      Nur oben liegende Knospen bzw. Triebe lasse ich wachsen. Die unten liegenden werden ausgebrochen. So entsteht eine minder dichte Laubwand, essentiell im Bioanbau.

      Die Triebe werden einzeln hochgebunden. Dies trägt zu einer gleichmäßig lichten Laubwand bei. Wichtig ist eine möglichst hohe Durchlässigkeit der Laubwand, damit der Wind gut durchzieht, Feuchtigkeit schnell abtrocknen kann und somit keine Mehltau-Nester entstehen können. Zudem werden bei den biologische Spritzungen möglichst viele Blätter erreicht. Dichte Blattkonstellationen sind verantwortlich für ein feuchtes Kleinklima und erleichtern so die Bildung von Mehltau.

      Schwefel wird kurz vor, während und nach der Blüte gespritzt. Dies erachte ich für besonders wichtig. Dass eine Schwefelspritzung während der Blüte schädlich ist, weil die Blüten verkleben, konnte ich nicht beobachten. Der Schutz der Blüte vor Oidium hat zudem Vorrang.

      Entblättert wird direkt nach der Blüte. Alle Blätter, die Kontakt zu der Traube bekommen können, werden entfernt. Dies hat sich bislang sehr bewährt, auch wenn in diesem Jahr bei der extremen Sonneneinstrahlung ein paar Blätter mehr über den Trauben sicher nützlich gewesen wären.

      Die Triebe werden alle ab 2,30 m gekürzt. Über dieser Höhe habe ich Schwierigkeiten, die Triebe zu spritzen. Aber das ist ja auch hoch genug.

      Beeren mit Sonnenbrand sind verloren und werden entfernt, damit sie nicht faulen. Dieser Arbeitsgang hat sich bewährt.

      Die Gründüngung wurde mehrfach gewalzt. Die Pflanzen bleiben so am Leben, die Wurzeln wachsen weiter, lockern den Boden und halten so die Feuchtigkeit im Boden.

      Die Trauben werden mit Beginn der Beerenbildung alle 3-4 Tage auf einen möglichen Befall kontrolliert, insbesondere im Juni und Juli. So kann eine eventuelle Pilzbildung sofort erkannt und gegengesteuert werden.

      Pro Trieb belasse ich max. eine Traube. Ausnahmen bestätigen die Regel. Sofern dies im Einzelfall angezeigt ist, z.B. bei kleinen Trauben mit wenig Gewicht bei gleichzeitig gut entwickelten Reben, verträgt ein Trieb auch gut zwei Trauben.

      Sorten mit vielen Beeren werden händisch ausgedünnt, z.B. KM Zaparoshki, Aljoshenkin, Velez usw.. Auch dieser Arbeitsgang hat sich bewährt. Das Ausdünnen mindert das Pilzrisiko und die Beeren werden größer.

      Sofern ich mit Pero befallene Blätter bemerke, werden diese entfernt. Auch dieser Arbeitsgang hat sich bewährt.

      Alles in allem bin ich hochzufrieden mit dem bisherigen Verlauf. Anfang kommender Woche beginnt dann bei mir die Ernte.

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Biologisch-dynamischer Anbau von Tafeltrauben" geschrieben. 06.02.2022

      Gestern habe ich meinen Rebschnitt abgeschlossen. Leider hat der Frühjahrsfrost in 2021 einige Kordons gekostet. Diese müssen in 2022 durch die “Rettungszapfen”, die ganze Arbeit geleistet und kräftige Fruchtruten gebildet haben, neu aufgebaut werden.

      Heute wurden - da Sauwetter draußen - die Veredelungshölzer für das Frühjahr vorbereitet. Die wandern jetzt nach erfolgtem Desinfektionsbad und Paraffinierung erst einmal für einen längeren Tiefschlaf in den Kühlschrank. Im Frühjahr werden dann ein paar ältere Reben, deren Sorten mir für den Bioanbau zu anfällig sind, nach verschiedenen Methoden schwarz auf schwarz veredelt. Quellen sind Videos russischer / ukrainischer Tafeltraubenfreaks. Ich verstehe leider kein einziges Wort, aber - ganz meine Rede - tolle Bilder sagen mehr als tausend Worte. Ziel ist bestehende Rebstöcke nicht zu roden und durch neue Sorten zu ersetzen, was wieder mehrere Jahre in Anspruch nehmen würde, sondern die Kraft der bestehenden Rebstöcke zu erhalten und schon im kommenden Jahr wieder Trauben besserer Sorten davon zu ernten.

      Irgendwie kann ich keine Bilder mehr hochladen (?)

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Biologisch-dynamischer Anbau von Tafeltrauben" geschrieben. 06.02.2022

      Zitat von thuja thujon im Beitrag #259
      Das müsste man tatsächlich erstmal beweisen.

      Ansonsten möchte ich nur zu bedenken geben: Chemiefrei gibt es nicht. Regen ist Wasser, süße Trauben ein Stoffgemisch aus Zucker und tausenden chemischen Substanzen, wovon der größte Teil toxikologisch noch nie untersucht wurde. Diese chemischen Substanzen in einem Verhältnis zueinander in Form einer reifen, aromatischen Beere gedeihen zu lassen, die Kunst ist, das auch in schwierigen Jahren zu beherrschen.


      Ich möchte weder den Besserwisser spielen noch das Thema Bio in diesem Forum grundsätzlich diskutieren, weil uns das vom eigentlichen Thema Tafeltraubenanbau wegbringt. Aber die Behauptung “ohne Chemie geht es nicht” ist schlichtweg falsch und ein Schlag ins Gesicht derer, die seit Jahrzehnten das Gegenteil beweisen. Hast Du schon jemals einen Betrieb besucht, der biologisch arbeitet? Es wird höchste Zeit. Denn langjährig erprobte Praxis schlägt alle Theorie.

      Ich verurteile niemanden, auch nicht unterschwellig, versuche auch nicht zu bekehren (sonst würde ich behaupten, dass Biodynamie das einzig Wahre ist, was ich nicht tue) und halte Andersdenkende auch nicht für schlechte Menschen. Ich freue mich über jede tolle Traube, die in diesem Forum gepostet wird. Wie bereits gesagt, gibt es unversöhnliche Standpunkte. Diese kann man auch mit tausend Beiträgen nicht vereinen, man produziert nur verhärtete Fronten und schlechte Stimmung. Dennoch sollte es möglich sein, in einem gemeinsamen Forum die Vorgehensweisen und Ergebnisse dieser divergenten Bewirtschaftungsformen beschreiben und darzustellen zu können, sofern Toleranz dem Gegenüber gegeben ist, ohne immer wieder das Inhaltliche grundsätzlich diskutieren zu müssen. Es sollte auch nicht darum gehen, wer am Ende Recht hat. Dennoch von mir abschließend zu diesem Thema folgende Zahlen die belegen, dass es bereits heute schon ohne Chemie geht und dann ist auch gut.

      Was gibt es da noch zu beweisen? Weltweit werden fast 60 Mio ha. (!) Land biologisch betrieben. Deutschland hat - um sich eine Vorstellung von dieser Fläche zu machen - eine Gesamtfläche von insgesamt 36 Mio ha. D.h. man nehme die gesamte Fläche von Berchtesgaden bis Flensburg incl. Städte, Straßen, Autobahnen, Seen und schneebedeckten Bergen mal 1,5. Dann hat man ungefähr die Fläche, die weltweit heute schon komplett ohne Pestizide landwirtschaftlich biologisch erfolgreich betrieben wird. Allein in Deutschland gibt es über 35.000 Bio-Betriebe, die zusammen 1,7 Mio ha. Land bearbeiten. Eine weltweite Zahl liegt mir nicht vor. All diese Betriebe bestreiten ihren Lebensunterhalt davon, ernähren damit ihre Familien und produzieren Nahrungsmittel für Millionen Menschen. Und es werden immer mehr. Es scheint also doch ohne Chemie zu gehen. Man muss nur wollen. Voraussetzung ist jedoch, sein gesamtes Handeln danach auszurichten. Im Übrigen habe auch ich bereits dargelegt, wie man es besser macht. In normalen Jahren habe ich mittlerweile vergleichbare Ergebnisse wie die Chemie- und Kunstdünger-Nutzer. Im extrem trockenen Jahr 2020 habe ich ebenfalls hervorragende Ergebnisse erzielt und ob ich im Regenjahr 2021 so viel schlechter abgeschnitten habe als andere, wäre von den Chemie- und Kunstdünger-Nutzern erst einmal zu beweisen. Eine Missernte war es jedenfalls nicht, eher keine gute. Übrigens: wetterbedingte Missernten gibt es bei konventionellen Landwirten trotz Einsatz von Chemie und Kunstdünger zuhauf.

      Bio ist bereits heute die Zukunft! Kommende Generationen werden gar nichts mehr anderes akzeptieren.

      Das Zwischenfazit war für mich zwingend notwendig. Das lasse ich auch alles so stehen. Weitere Beiträge dazu werde ich nicht mehr kommentieren. Und jetzt lasst uns wieder über Tafeltrauben reden. Best Practice, das bringt uns alle voran. Nicht um des Kaisers Bart streiten, sondern durch reale praktische Erfahrungen voneinander lernen.

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Biologisch-dynamischer Anbau von Tafeltrauben" geschrieben. 21.01.2022

      20.000 Zugriffe

      Über 20.000 Zugriffe, wer hätte das gedacht! Ich jedenfalls nicht, als ich dieses für die meisten Leser eher exotische Thema aufgelegt habe. Also ist es an der Zeit, ein Zwischenfazit zu ziehen.

      Ich fragte mich im Oktober 2017, ob sich überhaupt jemand für eine rein biologische Vorgehensweise interessiert, die in Bezug auf den Einsatz von Kunstdünger und systemischen Spritzmitteln keinerlei Kompromisse eingeht und Mittel und Vorgehensweisen einsetzt, welche die Gemüter ob der Sinnhaftigkeit entzweit und am Ende unversöhnliche Standpunkte hinterlässt. Eher hatte ich ein Schattendasein am Rand der übrigen Themenbereiche erwartet. Mittlerweile ist dieser Thread jedoch zu meiner Überraschung einer der mit Abstand meist gelesenen in diesem Forum, trotz aller Widrigkeiten. Das freut mich.

      Aggressiv angefeindet, zeitweise gesperrt, von zwei Vielschreibern dieses Forums wahlweise mit den Nazis in Verbindung gebracht, als Sekte verschrien, auf vergrabene Kuhhörner reduziert, als Grüne lächerlich gemacht oder gar zuletzt als Impfgegner verunglimpft. Viele Aspekte der Biodynamie werden deshalb von mir in diesem Forum gar nicht erst vertieft. Die Folge wäre nur noch mehr Häme. Früh habe ich gemerkt, auf solche Beiträge besser nicht einzugehen. Ich reduziere meine Beiträge auf das Nötigste und teile meine Erfahrungen mit der Biodynamie, um das Spektrum des Tafeltraubenanbaus in diesem Forum zu erweitern. So kann sich jeder seine eigene Meinung bilden, aber bitte in einem vernünftigem Diskurs, denn das Thema Bio ist aktueller denn je.

      Die Biodynamie erfordert eine kritische Auseinandersetzung. Versuche seinen eigenen ablehnenden Standpunkt zu erhöhen, in dem man versucht, durch tendenziöse Beiträge den biodynamischen Ansatz zu erniedrigen, werden von den meisten Lesern dieses Forums glücklicherweise direkt entlarvt, indem diese Beiträge einfach nicht bewertet werden. Nur die im Geiste der Ablehnung Gleichgesinnten bewerten ihre abwertenden Beiträge in diesem Thread gegenseitig, ohne jemals Bilder ihrer eigenen Ergebnisse einzustellen. Tausend Worte - aber keine Beweise.

      Biodynamie ist schwierig zu fassen. Ob die Anwendung biodynamischer Präparate tatsächlich etwas bringt, kann man getrost dahingestellt sein lassen. Deren Anwendung richtet keinen Schaden an.

      Die Biodynamiker die ich kenne, sind vollkommen normale, realistisch denkende Menschen, mit beiden Beinen auf dem Boden stehend, keinerlei Sektenzugehörigkeit, keinerlei rechtes Gedankengut oder gar Impfgegnerschaft. Die tragen auch alle keinen selbst gestrickten Wollpullover, im Übrigen auch keine Alu-Hüte, wählen nicht zwangsweise Grün oder pinkeln regelmässig in den Kompost. Allen ist eines gemein: der unbedingte Wille im Einklang mit der Natur zu arbeiten und mit Respekt vor der Natur einen ganzheitlichen Ansatz zu verwirklichen. Steiner? Anthroposophie? Astronomische Einflüsse? Kuhhörner? Das Geistige in der Natur suchen? Die Weisheit des Misthaufens ergründen? Planetenkonstellationen beachten? Mondphasen berücksichtigen? Das alles muss man weder zwingend verstehen noch sich damit voll identifizieren, um biodynamisch zu arbeiten. Man kann auch Auto fahren ohne die Wirkungsweise eines Motors zu verstehen und sich trotzdem freuen, dass so ein Fahrzeug funktioniert. Oder man arbeitet einfach nur biologisch und ökologisch, das reicht ja auch schon.

      Es ist für mich befriedigend, meinen Garten im Einklang mit der Natur zu bewirtschaften, die Vielfalt zu fördern, die Zusammenhänge von Jahr zu Jahr besser zu verstehen. Verstehen kann aber nur, wer Ursachen erforscht statt nur Symptome zu beheben.

      So werde ich weiter über meine Arbeit berichten, weiter den Heiligen Gral der biologischen Bekämpfung des falschen Mehltaus suchen, weiter still die Abhandlungen über Kunstdünger und Chemie lesen und die Leser mit meinen Beiträgen zum Nachdenken anregen. Rebe, Boden und Umwelt sollten nicht einfach als Mittel zum Zweck dienen. Die erfolgreiche Ernte darf nicht alleinig das Denken und Handeln beherrschen.

      Ich danke an dieser Stelle allen, die sich für meine Beiträge interessieren, sich dafür bedanken und wünsche allen, egal welchen Weg sie gehen, öfter den Griff zum Handy um ihre Arbeit im Garten für alle in diesem Forum - auch für die eigene Glaubwürdigkeit - bildlich nachvollziehbar und beweisbar zu dokumentieren, so dass jeder hier was lernen kann, mehr Mut zur Toleranz, vor allem aber wünsche ich allen ein gesundes und erfolgreiches Traubenjahr!

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Biologisch-dynamischer Anbau von Tafeltrauben" geschrieben. 14.11.2021

      Biodynamics is still alive!

      Nach längerer Abwesenheit mal wieder was vom Biodynamiker. Ich hatte dieses Jahr in mehrerlei Hinsicht ein schwieriges Jahr und konnte mich deshalb nicht viel und vor alle Dingen nicht situationsgerecht um meinen Traubengarten kümmern. Hinzu kamen mehrere Wetterereignisse, so dass der Bio-Anbau in diesem Jahr eine große Herausforderung darstellte. Am Ende sehe ich dieses Jahr jedoch positiv, da ich aufgrund der sehr schwierigen Bedingungen wieder wertvolle Erfahrungen für den Bio-Anbau sammeln und mein Handlungsspektrum erneut erweiterten konnte. Je mehr Erfahrung man in schwierigen Jahren sammelt, desto besser kann man auf solche Situationen reagieren und um so erfolgreicher gelingt der Tafeltrauben-Anbau in Bio-Qualität. Da ich mit dem Bio-Anbau jedes Jahr voll ins Risiko gehe und mir nicht durch konventionelles Spritzen eine sichere Rückfallebene schaffe, stelle ich mich Jahr für Jahr besser auf die wetterbedingten Herausforderungen ein.

      Der März war bei uns in der Pfalz schon sehr warm, was zu einem extrem frühen Austrieb führte. Einerseits freute ich mich über die ersten grünen Triebe nach den kalten Wintertagen, andererseits ahnte ich schon, dass das nicht gut gehen konnte. An einem schönen Frühlingstag wurde der Kompost ausgebracht. Im Herbst folgte etwas Kali-Magnesia. Mehr Düngung braucht es nicht.

      Im April kamen dann ein, zwei Nächte mit wenig Frost. Kein Problem für mich, nur wenige Minusgrade und eine frostsichere Lage, da war nichts zu befürchten bzw. zu tun. Dann die Überraschung ein paar Tage später: gut die Hälfte der Triebe erfroren, manchmal die komplette Rebe, manchmal nur einzelne Triebe, teilweise nur die äußeren Knospenblätter. Meine mehrere Jahre alte Phaeton mit 3 cm dickem Kordon hatte es komplett dahin gerafft (geschmacklich war sie kein Verlust), ebenso mehrere Jungreben im zweiten Jahr. Also war die Devise: erst einmal alle verbliebenen Knospen austreiben lassen, das kontrollierte Ausbrechen der nach unten gerichteten Augen musste entfallen.

      Im Mai dann ein sehr begrenzter lokaler Hagel, nur kurz, nur kleine Hagelkörner, die nicht viel anrichten können. Am Wochenende darauf mal kurz nachgeschaut und die nächste Überraschung: viele Triebspitzen waren oben zu einem Drittel bzw. zur Hälfte abgebrochen, der Rest der Triebe wie von einem Maschinengewehr beschossen und perforiert. Also erst mal Baldrian auf die geschundenen Reben, weiter nix machen und schauen. Zwischenzeitlich wucherte wegen verordnetem Nichtstun die Gründüngung, die Triebe verfingen sich schon darin und mussten hochgebunden werden. Also die Triebe hochbiegen und „knack“ brachen die Triebe reihenweise an den vom Hagel perforierten Stellen ab. Ein kontrolliertes Trieb- und Blattmanagement, essentiell im Bio-Anbau, war so erst mal nicht möglich. Meine Stimmung war zu diesem Zeitpunkt ehrlich gesagt nicht besonders, da man ja keinerlei Einfluss auf solche Wetterereignisse hat. Man hat nix falsch gemacht und ist dennoch im Hintertreffen. Jetzt kann es ja nur noch besser werden, dachte ich.

      Was folgte waren, wie überall in Deutschland, wochenlange Regenfälle. Fast täglich Regen. Spritzen war schlichtweg unmöglich bzw. sinnlos. Ich hatte ja schon im Vorjahr meinen Spritzplan komplett verworfen und begonnen, erfolgreich nur noch nach Wetterlage und nach Bedarf zu spritzen. Dieser sollte in diesem Jahr durch geplante Versuchsreihen gegen Pero weiter verfeinert werden, um bei der Pero-Abwehr endlich Fortschritte zu machen - aber keine Chance. Aus Prinzip setze ich kein Kupfer ein, also kam Bruder Pero und machte sich breit. Mir blieb nur der Blick aus dem Fenster in die verregnete Landschaft. Wenn selbst ein Pfälzer sehnsüchtig in den Himmel schaut und sich fragt, wann denn endlich die Sonne wieder kommt, muss irgendwas schief laufen da oben. Dann muss man die Natur halt machen lassen, sagte ich mir mit mittlerweile eingekehrter Gelassenheit - eine neue Erfahrung.

      Der nächste Tiefpunkt ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Der Regen begleitete schließlich auch die Blüte. Bei den sehr empfindlichen Sorten faulten die Blüten gleich komplett weg, z.B. Elegant sverhannyi, Liwia, Christine, KM Lutschistii usw.. Bei den weniger empfindlichen Sorten frühstückte dann Pero die Jungbeeren schon im Frühstadium weg, z.B Velez, Lora, Wostorg, Velika, Piesnia, Solotoi Don, Zlatogar, Sponsor usw.. Pero - ein im Bioanbau unerbittlicher Mitbewerber im Wettstreit um die Trauben. Innerlich hatte ich das Traubenjahr zu diesem Zeitpunkt schon abgehakt. Zu viele wetterbedingte Sondereinflüsse auf einmal. Bei den etwas robusteren Sorten hatte Pero aber dank Blattmanagement immer nur einzelne Beeren befallen, z.B. Chevchenko, Galachad, Baikonur, Deva Maria, Katharina, Walök, Talisman, Bieziewyi, Katrusja usw. Wenn ich bei diesen Sorten überhaupt noch Hoffnung auf Trauben haben konnte, mussten diese befallenen Beeren rausgeschnitten werden, und zwar bald. Es war an der Zeit, etwas zu tun. Über die nächsten Wochen mehrere Durchgänge, aber die Mühe lohnte sich. Man kann manuell durch gezieltes Ausschneiden der kranken Beeren wirklich vieles retten. Die lockerbeerigen Tafeltrauben kommen einem da sehr entgegen. Unternimmt man nichts, fault automatisch die gesamte Traube weg. Da habe ich dieses Jahr einige Erfahrung gesammelt und kann zukünftig gut einschätzen, wo sich bei Pilzbefall die Mühe noch lohnt und wo nicht. Bei zu hohem Befall lohnt sich das Ausschneiden nicht, da rafft es die Traube unweigerlich nach und nach dahin, trotz Herausschneiden.

      Nach der Urwald-ähnlichen Regenzeit kam endlich die Sonne raus. Viel zu spät, viel zu selten. Die Trauben reiften fast generell mit 3-4 Wochen Verspätung, manche Sorten reiften nicht vollends durch, blieben lange sauer und bekamen Risse an den Stielansätzen oder an den Spitzen, ein Einfallstor für Fäulnis. Garold z.B. hatte ich etwas überlastet, so dass die Trauben in diesem schwierigen Jahr einfach nicht reif wurden. Sie blieben sauer bis zum Abfallen. In einem normalen Jahr wären sie einfach 2 Wochen später reif geworden.

      Ehrlich gesagt habe ich dieses Jahr so gut wie nicht gespritzt, weil es einfach unmöglich war. Schon frühzeitig habe ich das Spritzen komplett aufgegeben - ein unfreiwilliger Feldversuch, für den ich am Ende aber gar nicht undankbar bin. Ich musste lernen, damit umzugehen (auch mental) und Alternativen zu entwickeln. Im Ergebnis sind fast alle Reben mal mehr, mal weniger mit Pero befallen. Zu guter letzt gesellte sich mangels Spritzung auch noch stellenweise Oidium dazu. Oidium habe ich ja mittlerweile fest im Griff, aber ich wollte sehen, ob Oidium es so spät noch schafft, bereits gut entwickelte Beeren zu befallen und zu schädigen und dieses vermaledeite Jahr bot sich für einen Feldversuch förmlich an. Im Ergebnis sind einige Blätter krank, aber dennoch war der Obstkorb erstaunlicherweise täglich gut gefüllt. Die Trauben waren jedoch z.T. nicht makellos und Oidium hat es stellenweise tatsächlich so spät noch geschafft, bei einigen wenigen Sorten Schaden an einzelnen Beeren anzurichten - eine wichtige Erkenntnis und ein Argument dafür, zukünftig auch noch spät mit Molke gegen Oidium zu spritzen. Das Erntefenster hat dieses Jahr nur bis Mitte November gereicht. Damit fehlen vier Wochen im Vergleich zu normalen Jahren. Zu guter letzt kam auch noch stellenweise, wenn auch sehr selten, etwas Botrytis hinzu.

      Dieses Jahr hatte es wirklich in sich. Einige Sorten zeigten sich sehr robust, hatten keinen Pilzbefall und kamen ohne chirurgische Eingriffe aus, darunter z.B. Pölöskei muskotaly, Muskat bleu, Nero, Dolgozdanny, Dubowsky Rozowy, Katrusja, Osella, Katharina, KM Zaparoshki, Aladdin, Rozowi Tschudo, Sen. Burdakov, Atlantis, Podarok Irina, Festivee, Moldawa, diverse Sorten von Herrn Wolf aus Bad Dürkheim usw. - alle makellos. Es trennte sich jedoch nicht generell die Spreu vom Weizen, die Mehltau-empfindliche Viktor hatte z.B. zu meinem Erstaunen bis zur Ernte strahlend saubere Beeren wie aus dem Bilderbuch, während die robustere Galachad erhebliche Probleme hatte. Die Verlustquote dieses Jahr würde ich über alle Reben hinweg auf insgesamt 40% schätzen. Zu hoch für ein normales Jahr, aber durchaus angemessen für dieses Jahr. In normalen Jahren liegt die Verlustquote bei ca. 10%.

      Alles in allem war das ein ungewöhnlich nasses Jahr, dazu noch früher Frost und Hagel, aber ich konnte weitere wichtige Erkenntnisse für den Bioanbau sammeln. Trotz widrigster Bedingungen seit meinem Einstieg in den Tafeltrauben-Anbau und faktisch nicht statt gefundenem Spritzprogramm gab es dennoch mehr Trauben, als wir essen konnten. Und das alles 100 % biologisch im Einklang mit der Natur. Das extrem trockene und heiße Jahr 2020 stellte kein Problem mehr für mich dar. Probleme bereiten mir mangels Kupfer-Einsatz nach wie vor Regen und Pero. Das extrem feuchte Ausnahmejahr 2021 war aus diesem Grund für mich nicht zu beherrschen. Dies ist jedoch kein Argument für mich, konventionell zu arbeiten. Wenn von 10 Jahren ein schlechtes Jahr dabei ist, habe ich 10 Jahre lang biologisch mit der Natur gearbeitet und nur ein Jahr Verluste. Würde ich konventionell arbeiten, hätte ich zwar auch im schlechten Jahr gute Erträge, würde aber auch 10 Jahre gegen die Natur arbeiten. Da nehme ich lieber das verlustreiche Jahr 2021 in Kauf. Mein Credo: behandelt Euren Boden gut, der Rest ergibt sich automatisch. Dieses Jahr hat mich gelehrt: die Natur allein gibt den Takt vor, ich richte mich danach und bleibe auch in schwierigen Situationen gelassen. Dazu empfehle ich für die Wintermonate am Kamin folgendes Buch:

      “Von der Freiheit, den richtigen Wein zu machen: Biodynamisches Winzerhandwerk im Portrait” von Romana Echensperger.

      Das Buch hat überhaupt nichts mit Tafeltrauben zu tun, zeigt aber am Beispiel von zwölf Spitzenweingütern, wie sehr diese Top-Winzer zunächst damit gehadert haben, auf Biodynamie umzustellen, beschreibt ihren Weg dahin und warum sie es heute nicht verstehen, wieso sie anfangs solche - aus heutiger Sicht - unbegründeten Existenzängste hatten und gezögert haben, auf Bio umzusteigen. Heute sind das alles zufriedene und vor allem gelassenere Menschen als früher. Und wirtschaftlich erfolgreich sind sie mit ihrem Bio-Anbau obendrein noch dazu. Von daher ist der Inhalt des Buchs auf den Tafeltraubenanbau gut übertragbar, da wir ja mit Piwi-Sorten arbeiten, nicht vom Trauben-Anbau leben müssen und es somit viel leichter haben.

      Ab Dezember beginnen dann die Vorbereitungen für kommendes Jahr. Der Fokus liegt dann erst einmal auf der Reduktion der Pilzsporen auf dem Rebholz, den Knospen und auf dem Boden, um nicht vorbelastet ins neue Jahr zu gehen. Und im kommenden Jahr hole ich meine Versuchsreihen gegen Pero nach.

      Heute gabs die vorletzten Trauben. Nächste Woche gibts noch einmal eine letzte Ernte mit tadellosen Trauben der zuverlässigen Sorte “Georg”, dann ist endgültig Schluss.

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Biologisch-dynamischer Anbau von Tafeltrauben" geschrieben. 21.12.2020

      @ Dietmar

      Bitte keinen Unsinn verbreiten. Hornmist liegt ca. ein Jahr im Boden und wird so entsprechend von Bodenorganismen verkompostiert, d.h. bei Verwendung sind die Bestandteile des Kuhmists zersetzt. Das ist wie Kompost. Seit Jahrtausenden werden kompostierte Tierexkremente zur Düngung von Nutzpflanzen genutzt. Ebenso wird Kompost von den Menschen seit Urzeiten mit Tierexkrementen durchsetzt und vor dem Einsatz verkompostiert. Das ist der Unterschied zu frischen Exkrementen, die nicht zur direkten Düngung eingesetzt werden sollen und dürfen. Frischer Mist zur Düngung ist Mist! Im Übrigen wird Hornmist nicht auf die Reben gespritzt, sondern immer auf den Boden.

      Frutogard ist ein Pflanzenschutzmittel und im Ökolandbau nicht zugelassen. Kann man ganz leicht im Internet nachlesen.

      @ Jakob

      Ich lade immer Fotos hoch, keine Dateien, beruhige Dich wieder, siehe Beitrag von Micha # 231 sowie meinen Beitrag # 241, erster Absatz

      @ Vorderpfälzer

      Ich gehe aufgrund bisheriger Erfahrungen in diesem Forum auf solche polarisierenden Beiträge nicht mehr ein. Ich berichte grundsätzlich nur noch über das was ich mache. Wie ich schon sagte: das führt in diesem Forum zu nicht werthaltigen Diskussionen. Leider wird dadurch dem Rest der Forumsteilnehmer ein wichtiger Teil der Biodynamie vorenthalten. Aber das kann bei Interesse auch jeder selbst alles im Internet nachlesen.



      4. Düngung

      Hier habe ich nichts verändert. Im Herbst und im Frühjahr bekommen die Reben ein bisschen Kali-Magnesia und im Frühjahr zusätzlich modifizierten Kompost, der mit Rinderdung, Aktivkohle und Urgesteinsmehl durchsetzt ist. Zusätzlich bekommt er eine biodynamische Behandlung. Eine weitere Düngungsmaßnahme ist das Einfräsen der Gründüngung.

      5. Veredlungen

      Das war nix dieses Jahr! Nur eine Veredelung ist gelungen und bei der ist es fraglich, ob sie den Winter überlebt. Irgendwie ist das bei mir immer noch mehr Zufall als Können.

      Das war´s für dieses Jahr. Ich wünsche Euch allen ein (endlich mal tatsächlich) geruhsames und besinnliches Weihnachtsfest (keine stressigen Einkäufe, keine ungeliebte Verwandtschaft), mangels Kracher und Party ein ungewohnt stilles Silvester, aber dafür ein gesundes und erfolgreiches Traubenjahr 2021. Möge das Wetter mit uns sein. Bleibt gesund und lasst Euch durch Fehlschläge nicht entmutigen. Man geht nach anfänglicher Heulerei immer gestärkt und schlauer daraus hervor.

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Biologisch-dynamischer Anbau von Tafeltrauben" geschrieben. 20.12.2020

      @Micha74

      Vielen Dank für die Info, Micha. Das liegt dann wohl an meinem Gerät. Für mich sieht es so aus, als wären die Bilder komplett gelöscht. Da ist gar nichts zum Öffnen erkennbar. Dann nehme ich natürlich sofort alle Verdächtigungen bzgl. Jakob und dem Programm wieder zurück. Ich selbst benötige die Bilder ja nicht, aber für diejenigen, die die Beiträge lesen, sind die Bilder m. E. wichtig.

      @Dietmar

      Dein Beitrag ehrt mich. Aber ich muss erst noch beweisen, dass die biodynamische Bewirtschaftung über mehrere Jahre hinweg relativ konstante Erfolge bringt. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Aber die biodynamischen, biologisch oder ökologisch arbeitenden Winzer bekommen das ja auch seit Jahren hin und sind erfolgreich, Esoterik hin oder her.

      Mir ist ja auch nicht ganz klar, was genau wie wirkt und was nicht. Aber ich habe ja nur einmal pro Jahr die Chance, etwas neues auszuprobieren und die Vielfalt der Maßnahmen ist groß, aber die Lebenszeit ist nun mal begrenzt. Zudem ist die Natur kein Labor. Man muss ständig mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen zurechtkommen. Es ist quasi unmöglich, in der Natur eine Versuchskonstellation unter gleichen Bedingungen mehrfach zu wiederholen. Selbst auf meiner begrenzten Fläche von 500 qm entwickeln sich und reagieren zwei gleiche Rebsorten auf gleicher Unterlage bei gleicher Behandlung unterschiedlich. Ich befürchte, da hilft auf Dauer nur Erfahrung und Gefühl für die richtige Maßnahme. Das ist wie beim Dampfnudelteig meiner Mutter, die nie was abgewogen hat. Die richtige Konsistenz hat sie einfach in den Fingern gespürt und nicht auf der Waage. Und ich mühe mich jetzt damit rum, bis ich es endlich raus habe.

      Die angegebenen Bezugsquellen und Mittel kenne ich natürlich. Bei der Präparatezentrale hatte ich im Spätsommer 2019 einen Präparatekurs belegt. Beim Forschungsring kann man vieles nachlesen, was in der biodynamischen Praxis bereits langjährig erprobt wurde. Und die Masson-Brüder (einer davon ist vor nicht allzu langer Zeit an Krebs verstorben) sind als Biodynamie-Pioniere Kult. Sie bringen jährlich einen detaillierten Kalender für Winzer bzw. Landwirte heraus (allerdings nur in französisch), der alle möglichen Planetenkonstellationen berücksichtigt. Myco-Sin ist grundsätzlich o.k., das ist ja quasi schwefelsaure Tonerde, aber das Problem ist die grobe Körnung. Das geht nicht gescheit durch meine Spritzdüse durch. Ich habe auch schon mal Urgesteinsmehl gespritzt, da war ständig die Düse verstopft und ich war dem Zusammenbruch nahe.

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Biologisch-dynamischer Anbau von Tafeltrauben" geschrieben. 20.12.2020

      3. Pilzbekämpfung

      Der bisherige Spritzplan wurde komplett verworfen. Gespritzt wurde nicht mehr nach Plan, sondern wie es die Wetterlage erforderte. Ergebnis: weniger Spritzungen, mehr Erfolg.

      Spritzungen erfolgten möglichst an warmen Tagen, die späteste Spritzung am Nachmittag und nicht mehr in den Abendstunden wie bisher. Die Blätter sollten ca. zwei Stunden Zeit zum Trocknen haben und spätestens bei Einbruch der Dunkelheit trocken sein. Wer sich die Physiologie des Mehltaus anschaut weiß, dass dieser zur Vermehrung Feuchtigkeit und Dunkelheit benötigt. In der Vergangenheit habe ich zum Teil noch bis in die Dunkelheit tropfnass gespritzt und mir damit den Pilz quasi selbst gezüchtet.

      In diesem Jahr wurde überwiegend Molke gespritzt, dazu Ackerschachtelhalmextrakt und Rapsöl. Direkt nach Regen auch mal Natriumhydrogencarbonat. Insgesamt 4 mal habe ich den Extrakt aus dem selbst gesammelten Sachalin Staudenknöterich gespritzt. Ob das die Blätter so resistent gemacht hat? Wir werden es kommendes Jahr sehen. Dieser Knöterich enthält den Pflanzenstoff “Resveratrol”. Dieses Resveratrol hat eine Wirkung als “Phytoöstrogen”. Und Phytoöstrogen wiederum ist ein Mikrobizid, d.h. es schützt die Pflanze vor Pilzen und Bakterien. Demnach schützt es, wenn man es in flüssiger Form spritzt, mutmaßlich auch andere Pflanzen vor Pilzbefall. Soweit die Theorie. Zusätzlich enthält der Knöterich das Anthrachinon „Physcion“, das wiederum die Pflanze davor schützt, von anderen Tieren gefressen zu werden. Dies spielt jedoch meiner Meinung nach bei der Rebe keine Rolle. Ich schreibe das nur um zu zeigen, was Pflanzenstoffe so alles drauf haben. In der Praxis gab es eine Zeit lang ein Pflanzenstärkungsmittel namens „Milsana“, das aus diesem Knöterich gewonnen wurde. Es sollte gegen Pilzbefall schützen. Die Produktion wurde jedoch mittlerweile eingestellt.

      Kurz vor und kurz nach der Blüte habe ich Netzschwefel gespritzt. Für mich ebenfalls eine entscheidende Maßnahme. Blüte und Entwicklung bis zur erbsengroßen Beere ist die kritischste Zeit in der Traubenentwicklung. Deshalb wurden die Reben in dieser Zeit alle 2-3 Tage auf mögliche Schimmelbildung inspiziert.

      Wichtig erachte ich nach wie vor den regelmäßigen Einsatz von Schachtelhalmextrakt, der die Widerstandsfähigkeit der Blätter gegen das Eindringen des Mehltaupilzes ebenso stärkt wie die Molke. Des Weiteren wurde natürlich der eine oder andere Tee, EM sowie Hornkiesel und Hornmist nach dem Mondkalender gespritzt, aber die Details sind für diese Forum nicht geeignet und führen nur zu unnötigen und nicht werthaltigen Diskussionen.

      Kranke Blätter wurden bereits im Anfangsstadium regelmäßig mit der Hand entfernt, um den Infektionskreislauf schnell zu durchbrechen. Das hat überwiegend gut funktioniert. Eigene Versuche im letzten Jahr haben gezeigt, dass Reben, bei denen die kranken Blätter nicht rechtzeitig entfernt wurden, stetig, schneller und umfassender krank wurden.

      Die Gründüngung wurde nur auf dem halbem bisherigen Niveau gehalten. Damit waren die Reben und die Trauben ausreichend weit davon entfernt (weniger Pilzgefahr), die Erde dennoch schön gegen Austrocknung geschützt, die wenigen Regenfälle in diesem Jahr wurden gut festgehalten. Und sie bietet im kommenden Frühjahr beim Einfräsen die erforderlichen Nährstoffe.

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Biologisch-dynamischer Anbau von Tafeltrauben" geschrieben. 19.12.2020

      2. Schnitt und Erziehung

      Die modifizierte „f“-Erziehung wurde in Form einer Quadraterziehung fortgeführt und hat sich bislang bewährt, sofern der letztjährige Trieb ausreichend stark war. Dünne Triebe haben wie zu erwarten nur geringe Leistung erbracht.

      Die Kordons habe ich nicht auf dem untersten Draht belassen, sondern auf den zweiten Draht von unten geführt. Dies bedeutet weniger Pilzgefahr von unten, z.B. von der Gründüngung und ist viel komfortabler und Rücken schonender bei dem Einbinden mit Organzasäckchen und bei der Ernte. Da die Spaliere 2,30 m hoch sind, kann man die paar Zentimeter weniger Laubwand gut verkraften.

      Die Triebe wurden bei 2,30 m konsequent abgeschnitten. Neuaustriebe wurden auf dieser Höhe ebenfalls regelmäßig gekappt. Somit erreicht man bei den Spritzungen alle Blätter und die Blattmasse wird oben nicht so dicht, als wenn man die Triebe unendlich wachsen lässt und um den obersten Draht wickelt. Das hatte ich bislang so gemacht, hat sich aber nicht bewährt.

      Auf den Fruchttrieben wurden die nach unten zeigenden Knospen entfernt, d.h. nur jede zweite Knospe, also die oben liegenden, durfte austreiben. Pro Trieb wurde mit ganz wenigen Ausnahmen nur eine Traube geduldet.

      Um die Trauben herum wurde direkt nach der Blüte entblättert. Dies war sicher eine der wichtigsten Maßnahmen gegen den Mehltaupilz. Nur wenige Trauben bzw. Beeren haben in diesem extrem heißen Sommer deswegen Sonnenbrand bekommen. Da hatte ich Schlimmeres befürchtet. Der Vorteil des Entblätterns hat am Ende eindeutig überwogen.

      Geiztriebe wurden, soweit sie die Blätterwand zu sehr verdichteten, konsequent entfernt. So blieb die Blätterwand schön durchlässig. Auch das war für den diesjährigen Erfolg mit entscheidend. Zu viel Blattmasse auf zu engem Raum befördert den Pilzbefall. Die verbleibenden Blätter reichen vollkommen aus, die Trauben und die Reben zu ernähren.

      Die Triebe wurden regelmäßig geordnet, nach oben geführt und gebunden, so dass eine kontrollierte und durchlässige Laubwand entstand.

      Die nicht allzu lockerbeerigen Sorten, die zudem sehr vielen Beeren erzeugen, z.B. Aljoshenkin, KM Lutschistii oder Velez, wurden mechanisch ausgedünnt. Resultat: weniger Pilzgefahr und dafür größere Beeren. Wer braucht schon 1,5 kg schwere Traubenhenkel?


      #

      Zitat von jakob im Beitrag #229
      Zitat von Reblaus im Beitrag #226
      Die Qualität der Trauben konnte man anhand der von mir bislang regelmäßig eingestellten Bilder (die meisten hat Jakob oder das Programm scheinbar gelöscht? Schade!)


      niemals! warum sollte ich? höre zum ersten mal dass was verloren gegangen ist....


      Dann schau mal in diesem Thread meine Beiträge #160 oder #166

      oder in „Diskussion der Sorten“ unter „Highlights und Flops 2020“ der Beitrag #14

      oder in „Die Rebe im Jahreslauf“ unter „November“ der Beitrag # 21

      Da kann ich meine eingestellten Bilder nicht mehr sehen. Das sind nur einige von vielen Beispielen. Ich selbst habe da nichts gemacht. Habe auch keine Zaubertinte verwendet...

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Biologisch-dynamischer Anbau von Tafeltrauben" geschrieben. 18.12.2020

      1. Technische Maßnahmen

      Einsatz einer leistungsfähigen Spritze. Der Drucksprüher mit sehr unkonstanten max. 3 bar Druck wurde durch eine leistungsfähigere Akku-Spritze mit konstanten 6 bar Druck ersetzt. Diese ist zwar immer noch nicht so effektiv wie eine Motorspritze, aber dafür erzeugt sie keine Emissionen, stinkt nicht und ist so leise, dass sie auch an Sonntagen eingesetzt werden kann. Für mich ein sehr guter Kompromiss

      Spritzen mit 6 bar sorgt für den nötigen Druck, um die Spritzbrühe besser zu vernebeln und die Blätter der Reben aufzuwirbeln. So kommt man besser in die Blattmasse rein und erreicht besser die Unterseite der Blätter.

      Drehen der Spritzdüse um 180° von unten nach oben. So erreicht man nicht nur die Blattoberseiten, sondern viel besser die für die Pilzentwicklung wichtigen Blattunterseiten. Bei gleichmäßigen Auf- und Abbewegung der Spritze erreicht man so beide Blattseiten. Ist die Düse nach unten gerichtet, ist dies nicht der Fall.

      Eingesetzt wurde eine Regulierdüse, keine Nebeldüse, da der Sprühnebel sonst zu fein gerät. Die Düse wurde um 1-2 mm aufgedreht, damit der Durchfluss höher ist.

      Wie bisher auch werden die BASF-Dispenser eingesetzt, somit muss ich die Organzasäckchen erst bei Weichwerden der Beeren aufziehen. Damit erreicht die biologische Spritzbrühe die Beeren zeitlich relativ lange bis kurz vor der Reife. Auch in diesem Jahr habe ich keine Beere an den Traubenwickler verloren.

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Biologisch-dynamischer Anbau von Tafeltrauben" geschrieben. 17.12.2020

      Nachdem die letzten Trauben abgeerntet sind, ist es auch bei mir an der Zeit, ein kleines Resümee zu ziehen. Soviel vorweg: es war das mit Abstand erfolgreichste Traubenjahr bisher. Jede Menge leckere und gesunde Bio-Trauben von Ende Juli bis fast Ende November. Selbst anfällige Sorten und anfällige Spätsorten sind gelungen. Ich hatte extrem geringe Ausfälle und die waren wegen Überlastung der Rebe von mir selbst verschuldet. Da sind die Traubenhenkel entweder wie bei Lilla plötzlich schlaff geworden oder die Trauben wurden wie bei Super Extra bis zum Schluss einfach nicht reif.
      Die Qualität der Trauben konnte man anhand der von mir bislang regelmäßig eingestellten Bilder (die meisten hat Jakob oder das Programm scheinbar gelöscht? Schade!) ganz gut abschätzen. Unzählige Kilos habe ich an die Gartennachbarn verschenkt. Das war eine gute Investition. Seither gibt es keine kritischen Fragen mehr, was ich da Komisches in meinem Garten mache, z. B. mit Milch zu spritzen statt mit Raiffeisen-Gift. Und so große Trauben und Beeren ohne Einsatz von Blaukorn? Alle waren restlos begeistert von der Qualität und dem Geschmack. Als Dankeschön gab´s Honig, Marmelade, Wein, Gemüse - und endlich Respekt und Anerkennung.
      Die Reben blieben mit Ausnahme vom falschen Mehltau (Pero), der mich bis Mitte September begleitete, bis kurz vor Ende der Saison ansonsten gesund, solange wie nie zuvor. Mein biodynamisches Konzept geht zunehmend auf. Gegen den falschen Mehltau habe ich zwischenzeitlich (eigentlich wie jedes Jahr, gähn...) eine neue Strategie entwickelt, die ich mit Beginn vom Dezember diesen Jahres an ausprobieren werde. Sofern diese erfolgreich sein sollte - Zweifel sind berechtigt - werde ich im kommenden Jahr berichten. Bislang hat leider noch keine einzige Strategie geholfen. Aber man braucht ja auch noch Ziele. Kupfer verwende ich im Gegensatz zu den biologisch arbeitenden Winzern aus Prinzip nicht. Dafür habe ich den echten Mehltau (Oidium) mittlerweile sehr gut im Griff. Da habe ich in den letzten beiden Jahren einiges dazugelernt.
      In diesem Jahr habe ich sehr viel anders gemacht als sonst. Während die biodynamischen Maßnahmen weiterhin konsequent durchgeführt wurden und werden, habe ich einiges verändert, was ich im Folgenden darstellen möchte. Damit der Beitrag nicht zu lang wird, werde ich die Maßnahmen ab morgen auf mehrere Beiträge verteilen.

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "November" geschrieben. 08.11.2020

      Während in Dresden die Elbe zufriert, im Erzgebirge Schnee liegt und nördlich von München schon ganze Baumstämme im Kachelofen verheizt wurden, werden in der schönen sonnigen Pfalz immer noch Tafeltrauben in Bioqualität geerntet. Auf dem Foto sieht man die heutige Ernte. Es sind späte Sorten sowie Sorten, die wegen Überlastung erst spät reif wurden: Ossenij Tscherni, Festivee, Moldawa, Christine, Tara, Valentine, Atlantis, Sophie, Georg, dann noch eine mir unbekannte weiße Sorte aus dem Jakob-Kühn-Institut und die letzte Nizina, die immer noch viel zu viel Säure aufweist. Meines Erachtens kann man bei dieser Sorte die Säure auch durch langes Hängenlassen nicht zufriedenstellend abbauen. Insgesamt ernte ich überraschenderweise immer noch sehr knackige und gesunde Trauben. Der Regen konnte nur den sehr reifen Trauben, deren Beerenhaut mittlerweile sehr dünn geworden ist, etwas anhaben.
      Kommendes Wochenende wird allerdings Schluss sein. Dann werden die letzten Trauben in den Erntekorb wandern. Ein paar wenige Sorten würden sicherlich noch einige Zeit durchhalten, der Festigkeit der Trauben nach zu urteilen sicherlich noch mindestens zwei bis drei Wochen. Aber das werden sie leider nicht mehr schaffen, weil ich sie bis dahin gegessen haben werde. Damit geht ein super erfolgreiches Traubenjahr dem Ende entgegen und ich freue mich schon auf´s Schneiden und Formen der Reben im Winter.|addpics|hus-6m-6fae.jpeg|/addpics|

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Highlights und Flops im Jahr 2020" geschrieben. 18.10.2020

      Kaum ist man mal ein paar Tage nicht im Forum, schon erklären einzelne bereits Anfang Oktober die Traubensaison für beendet. In der schönen Pfalz ist noch lange nicht Schluss. Erstens sind die Sorten entsprechend ausgewählt und zweitens sind die Trauben nach wie vor relativ gesund. Und die richtig späten Sorten kommen erst noch. Das Laub bekommt langsam aber verhalten etwas Mehltau, aber für Mitte Oktober ist das in Ordnung. Hier die heutige Ernte, 10 reife und nach wie vor knackige Sorten.|addpics|hus-6l-9217.jpeg|/addpics|

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "September 2020" geschrieben. 27.09.2020

      Ende September, der Erntekorb ist immer noch voll und noch kein Ende in Sicht. Die 20 mm Regen verteilt auf mehrere Tage hatten keinerlei Einfluss auf meine Trauben. Nach wie vor alles Top-gesund, knackige Trauben, keine Platzer, keine Fäulnis. Selbst die Trauben, die schon im August reif wurden und von denen ich versuchsweise eine Traube habe länger hängen lassen, machen i.d.R. noch nicht schlapp, sie verlieren nur an Spannung, d.h. sie sind lange nicht mehr so knackig. Nur die Katrusja-Traube ist mir weggefault, weil die Beerenspitzen eingerissen waren.|addpics|hus-6h-6ad3.jpeg|/addpics|

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "September 2020" geschrieben. 19.09.2020

      Zitat von Ohne Chemie im Beitrag #38
      Habe noch ein bisschen Katharina und Muskat Blau. Den Rest wurde schon verputzt. Erstlingstraube der Nizina hängt noch, lasse richtig reif werden. Habe gemerkt, das ein Paar Spättrauben brauche ich noch.

      Wenn du jetzt schon keine Trauben mehr hast, hast Du bei der Sortenplanung noch Luft nach oben. Du brauchst unbedingt späte Sorten. In Rheinhessen bekommst Du die auch locker reif. Meine Sorten sind so gewählt, dass sie von Ende Juli bis Ende Oktober reichen. Und dieses Jahr bei dem tollen Wetter wahrscheinlich sogar länger. Späte Sorten garantieren im Weinanbaugebiet auch im Spätherbst noch knackige und geschmacklich gute Trauben und man muss nicht mit Überlastung mittelspäter Sorten arbeiten oder sich mit verschrumpelten und viel zu süßen Beeren begnügen, die man lange hat hängen lassen. Je besser das Anbaugebiet, desto eher ist bei frühen und mittelspäten Sorten Schicht im Schacht und desto mehr sind auch späte Sorten angezeigt. Das sieht bei Polarwinzern anders aus, bei denen ist aktuell nicht mal Galachad, eine meiner ersten Sorten, reif. Dort machen späte Sorten absolut keinen Sinn.

      Heute geerntet, aufgrund des anhaltend guten Wetters allesamt sehr gesunde Trauben:
      Rosamunde, ist bekannt
      Zlatogar, letztes Exemplar
      Solotoi Don, die mit weitem Abstand knackigsten und festfleischigsten Beeren dieses Jahr
      Festivee, eine resistente Sorte aus Kanada, fruchtig und saftig
      Baikonur ist bekannt
      Katrusja, letztes Exemplar, jetzt noch stärkerer Muskat, nicht zu süß, steht mangels Regen noch überraschend gut da
      Walök, sehr leckerer Muskat, aktuell optimale Reife
      Wostorg, letztes Exemplar, steht ebenfalls noch sehr gut da und schmeckt noch super, nicht zu süß, nicht zu unrecht in vielen Kreuzungen ein Elternteil
      Podarok Irene, ist bekannt
      Galbena Nou, auch noch sehr leckerer Muskat
      Velika, sehr lecker, fleischig, optimaler Reifezeitpunkt
      No Name Jakob und Rote Victoria sind auch bekannt|addpics|hus-6g-c7d4.jpeg|/addpics|

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "September 2020" geschrieben. 13.09.2020

      Der heutige Ernteteller beim Biodynamiker. Dieses Jahr ist ein hervorragendes Jahr bei mir, das beste bislang. Seit Anfang August schöne und gesunde Trauben in rauhen Mengen. Ich habe bislang keine Trauben an den Mehltau verloren und es sieht so aus, als wenn das so bleibt. Keine KEF, keine Traubenwickler, keine Fäulnis, nur etwas Pero an einzelnen Blättern. Eine tolle Geschmacksvielfalt jeden Tag! Und das alles in 100% Bio-Qualität, ohne Chemie. Wen es interessiert, hier die Sorten im Uhrzeigersinn, beginnend bei 12:00 Uhr:

      Liwia: nach wie vor eine meiner Favoritinnen, die sollte jeder im Garten haben
      Bozij Dar: das letzte Exemplar für dieses Jahr, eine schöne und gute Traube
      Baikonur: Erstertrag, bis jetzt geschmacklich kein Überflieger, mal die kommenden Jahre abwarten
      Bulust: geschmacklich sehr gute Traube vom Jakob, schöner Muskat
      Rote Victoria: geschmacklich sehr gute Traube, schöner Muskat
      Podarok Irene: geschmacklich sehr gute Traube vom Jakob, wird immer besser
      Zlatogar: sehr gute Traube vom Jakob, schöner Muskat, wird auch immer besser, geschmacklich ganz vorne mit dabei
      Falscher Monarch: Von Jakob als Monarch geliefert, ist aber eine blaue festfleischige Traube, fruchtig. Konnte die Sorte noch nicht herausfinden.
      Katrusja: Letztes Exemplar von der Schattenseite, etwas rissanfällig an der Beerenspitze, aber lecker, fruchtig mit Muskat
      Rischelie: Stelle ich demnächst noch gesondert vor, spezieller Geschmack, ich mag sie
      Nadeschny: Letztes Exemplar von der Schattenseite der Rebe, muss jetzt dringend gegessen werden

      In der Mitte ein kleiner Muskat bleu, ein Klassiker und in der Regel unproblematisch im Anbau, meine erste Tafeltraube die ich hatte, schöner Muskat

      Davor:
      Rechts: KM Lutschistii: Die Königin bei mir im Garten. Geschmacklich bislang für mich unerreicht. Die sollte jeder haben!
      Mitte: No Name Jakob: Eine Rebe ohne Namen vom Jakob. Erstertrag, geschmacklich gut, festfleischig, hat Potential
      Links: Iskra, war schon vor Wochen reif, mittlerweile goldgelb, steht immer noch da wie eine Eins, schön süß aber nicht pappig, als Kernlose absolut empfehlenswert
      |addpics|hus-68-5ee5.jpeg|/addpics|

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "September 2020" geschrieben. 07.09.2020

      Die Pilzfestigkeit von einzelnen Rebsorten bzgl. des eigenen Standortes zu klassifizieren ist m.E. nicht zielführend. Hier spielen zu viele individuelle Faktoren eine Rolle, die auf andere Standorte nicht grundsätzlich übertragbar sind:

      Makroklima der Region: Ein Garten in Dresden, Odessa, oder auf 1.000 Meter Höhe ist z.B. nicht vergleichbar mit einem Garten in einem mildklimatischen Weinanbaugebiet.

      Makroklima des eigenen Gartens: Mein Garten ist z.B. aufgrund seiner Lage (wenig Durchzug) sehr pilzanfällig und das auch noch bei meinem Bioanbau. Die gleichen Reben in einem anderen Garten bringen wahrscheinlich andere Ergebnisse. Selbst in kleinen Gärten herrscht oft in einer Ecke ein anderes Mikroklima als in der anderen Ecke, erst recht in größeren Gärten, wenn z.B. noch Gefälle hinzukommt oder ein Bach in der Nähe fließt usw..

      Mikroklima am Standort der jeweiligen Rebe im Garten: Hier kann es große Unterschiede geben. Eine Mauer, eine große Pflanze oder auch die Bepflanzung des Nachbargartens, die ja saisonal und ggf. jährlich wechselt, können hier enormen Einfluss haben. Ich habe bei gleicher Sorte, die in 10 m Abstand stehen, im gleichen Jahr schon unterschiedliche Anfälligkeiten beobachtet.

      Bodenbeschaffenheit: Jeder Boden ist anders und birgt eine unterschiedliche Pilzlast. Wenn z.B. die Pflanzenteile / Blätter aus einem Jahr mit Pilzbefall in den Boden gelangen, hat man im Folgejahr eine stärkere Pilzlast vom Boden ausgehend.

      Düngung: Mit Kompost z.B. aus Grünschnitt gedüngter Boden bringt eine viel stärkere Pilzlast mit sich als mit Kunstdünger gedüngter Boden. Andererseits sind mit Kunstdünger gedüngte Pflanzen anfälliger gegenüber Pilzbefall.

      Unterbepflanzung: Je nachdem, was unter bzw. zwischen den Reben wächst, bringt diese Bepflanzung eine unterschiedliche Pilzlast mit sich. Je höher der Bewuchs und je anfälliger die Pflanzen im Unterbewuchs, desto höher die Pilzlast. Ein Problem, mit dem ich mit meiner Gründüngung ständig zu kämpfen habe.

      Jahresklima: Jedes Jahr ist unterschiedlich, keines gleicht dem anderen.

      Wie und wann wurde mit was gespritzt: Diese Faktoren haben einen sehr großen Einfluss. Vielleicht vergleichen wir wenig gespritzte Reben mit häufig gespritzten Reben oder Reben, die mit unterschiedlichen Mitteln in unterschiedlicher Konzentration gespritzt wurden.

      Wie oft hat es kurz vor Einbrechen oder während der Dunkelheit geregnet: Wer sich die Biologie der Mehltaupilze anschaut bemerkt, dass immer eine bestimmte Feuchtigkeit in Verbindung mit einer ausreichenden Zeit an Dunkelheit für die Entwicklung der Pilze erforderlich ist. Regenhäufigkeit, Regenmenge und Regenzeitpunkt Barrieren stark. Ein wichtiger Aspekt im Bioanbau. Ich komme hierauf bei meiner Jahresendbewertung dieser Saison noch darauf zurück.

      Blattmanagement: Zu dichtes Blattwerk fördert den Pilzbefall. Eine Rebe reagiert bei konsequentem Blattmanagement (durchlässiges Blattwerk, rechtzeitiges Entfernen kranker Bätter) ganz anders als bei Wildwuchs. Auch darauf komme ich noch zurück.

      Welche Pflanzen / Reben stehen in unmittelbarer Nähe: Eine pilzanfällige Pflanze / Rebe in unmittelbarer Nähe macht die Bewertung nicht vergleichbar.

      Sicher gibt es noch weitere Einflussfaktoren, die mir im Moment nicht einfallen.

      Fazit: Die Beobachtungen / Erfahrungen eines Tafelraubenliebhabers sind nicht übertragbar. Natürlich gibt es unbestritten Rebsorten, die eine höhere Pilzfestigkeit haben als andere (z.B. Muskat bleu oder die Americano-Sorten). Es ist aber keinesfalls gesagt, dass diese Reben im eigenen Garten aufgrund der o.g. Faktoren diese Pilzfestigkeit widerspiegeln. Ein Garten bietet leider keine Laborbedingungen, d.h. die jeweiligen Umgebungsbedingungen zu einem bestimmten Zeitpunkt sind nicht reproduzierbar, so dass auch die eigenen Erfahrungen jährlich wechseln können. Ich orientiere mich an den verschiedenen internationalen Bewertungen, vor allem z.B. von Winorosl, um mich einigermaßen zu orientieren. Die Angaben aus den russischen Foren oder aus der Ukraine sind z.B. schon weniger aussagekräftig. Und die von Slovplant gleich gar nicht: bei denen ist alles pilzfest.

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Biologisch-dynamischer Anbau von Tafeltrauben" geschrieben. 03.08.2020

      Die ersten Hitzeschäden. Das sind die Schattenseiten des Entblätterns. Und nächste Woche wird es noch heißer.

      Phaeton färbt schnell um, höchste Zeit zum Einpacken!

      Chevchenko, ca 40 cm lange Trauben. Bisher waren die immer nur normal groß. Die passen noch nicht mal in die großen Organzabeutel...



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    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Biologisch-dynamischer Anbau von Tafeltrauben" geschrieben. 21.07.2020

      Neben Wostorg (das Foto hatte ich schon gepostet) werden demnächst Super Extra (Bild 2) und Galachad (Bild 4) reif. Osella (Bild 1, vor genau einer Woche aufgenommen) färbt am stärksten um. Auf Bild 3 sollte man eigentlich Paryschanka sehen. Habe ich zumindest als Paryschanka bei Jakob gekauft. Aber das sieht eher nach Velez aus, d.h. Fehllieferung oder? Vielleicht kann das Jakob genauer sagen und aufklären, da ich Paryschanka nur von seinen wenigen Bildern aus diesem Forum her kenne und dort sieht sie ganz anders aus.

      Letztes Jahr um diese Zeit hatte ich schon Herbst im oberen Teil des Gartens, d.h. alle Reben hatten aufgrund von Oidium überwiegend welke Blätter. Da war nix mehr zu retten. In diesem Jahr ist bis auf die einzelnen Blätter, die ich wegen dem falschen Mehltau entferne, alles schön grün. Bis auf Valantine haben sich die Reben auch sehr gut erholt. D.h. auch wenn man als Biogärtner mal ein extrem schlechtes Jahr erwischt, muss der Pilzdruck im Folgejahr nicht zwingend ebenfalls wieder hoch sein. Ich hatte das aber genau so erwartet weil ich dachte, Rebholz und Knospen sind voll mit Pilzsporen, die nur darauf warten, wieder loszulegen. Scheinbar haben meine diesjährigen Maßnahmen gegriffen. Oder es ist einfach nur Glück.|addpics|hus-5a-dd60.jpeg,hus-5b-bf84.jpeg,hus-5c-c1ed.jpeg,hus-5d-247b.jpeg|/addpics|

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Biologisch-dynamischer Anbau von Tafeltrauben" geschrieben. 19.07.2020

      Hier noch ein paar Bilder meiner Ersterträge dieses Jahr, Stand heute. Natürlich sind das alles keine Brüller, eher Mickermänner. Sollen ja aber auch keine Brüller sein. Nur ein erster Vorgeschmack im dritten Standjahr. Die Reben sollen lieber ihre Kraft in das Wachstum stecken. Umso schneller kann man richtige Trauben ernten.

      Von links nach rechts und nach unten: KM Citronni, Muskat Solomka, Zar Kutski, Lutschezarni, Rodnitschok, Irinka, Rote Victoria, Muskat Lethni, Iskra, Sponsor, Athos, Liwia.

      KM Citronni und Iskra fallen etwas größer aus, da schon im 4. Standjahr, aber die Trauben waren letztes Jahr dem Mehltau zum Opfer gefallen. Liwia ist auch etwas größer. Die ist mir 2015 beim Pflanzen knapp über der Veredelung komplett abgebrochen, aber dann glücklicherweise wieder ausgetrieben und musste komplett neu aufgebaut werden.|addpics|hus-4x-51a9.jpeg,hus-4y-73ff.jpeg,hus-50-09b1.jpeg,hus-51-a10d.jpeg,hus-52-2fa1.jpeg,hus-53-fe42.jpeg,hus-54-a3e6.jpeg,hus-55-0171.jpeg,hus-56-5665.jpeg,hus-57-96e4.jpeg,hus-58-16cb.jpeg,hus-59-0d07.jpeg|/addpics|

Empfänger
Reblaus
Betreff:


Text:
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Der Anbau von Tafeltrauben in Deutschland ist gar nicht schwierig und unmöglich, es liegt nicht an der Rebe, dem Wetter oder dem Boden, es ist eine Frage des Wollens, denn die Tafelrebe, eigentlich eine Liane, hat keine großen Ansprüche an den Boden. Sie ist starkwüchsig und an einem sonnigen Platz, mit dem richtigen Schnitt und ein bisschen Pflege wird sie uns mit ihren Trauben belohnen. Für kältere Lagen gibt es frühreifende Sorten die mit weniger Sonnentagen genauso zurechtkommen wie mit halbschattigen Standorten. Es gibt mittlerweile pilzwiderstandsfähige Reben, sogenannte PIWI Reben, die weniger Behandlung benötigen. In diesem Sinne, schauen Sie in unser Forum herein und lassen Sie sich inspirieren. Ihre Fragen und Diskussionen sind hier willkommen!


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