Tafeltrauben - Diskussionsforum
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Reblaus
Beiträge: 216 | Punkte: 1038 | Zuletzt Online: 04.04.2020
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Neustadt an der Weinstrasse
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09.10.2017
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männlich
    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Biologisch-dynamischer Anbau von Tafeltrauben" geschrieben. 14.03.2020

      Vor zwei Wochen habe ich meine Wintergründüngung abgemäht, letzte Woche den Kompost verteilt, etwas Kali-Magnesia gestreut und heute wurde alles leicht untergefräst und sofort die Sommergründüngung eingesät. Vor dem Fräsen wurde, wie es sich für einen Biodynamiker gehört, dynamisierter Hornmist mit Baldrian gesprüht.

      Zudem habe ich in den letzten Wochen immer wieder mal das Rebholz mit Natriumhydrogencarbonat und etwas Jod und den Boden mit Ackerschachtelhalmextrakt und Getreideferment gespritzt. Beides soll dazu dienen, die überwinternden Mehltausporen zu reduzieren. Leider hat es zwischendurch immer wieder geregnet, so dass man im Nachhinein nur schlecht verfolgen kann, welche Maßnahmen welchen Erfolg bringen. Das Wetter lässt im Bioanbau nun mal kaum reproduzierbare Bedingungen zu. So ist es schwierig, einen nachvollziehbaren Maßnahmenplan zu entwickeln, was mich unzufrieden macht. Oft fühle ich mich wie ein Zauberlehrling. Ich müsste halt nach Kalifornien umsiedeln, da scheint immer die Sonne.

      Zumindest sind jetzt alle Reben vermessen und ich kann im nächsten Winter schauen, welches Vorgehen welche Ergebnisse gebracht hat. Zumindest das scheint messbar und nachvollziehbar.

      Einige Reben bluten bereits, Urmel´s Schnitthölzer bilden im Glas die ersten Wurzeln (vielen Dank noch mal) und die über den Winter neu erstandenen Reben warten in den Töpfen auf die Pflanzung.

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Februar 2020" geschrieben. 19.02.2020

      Ich habe schon zwischen Weihnachten und Neujahr geschnitten und auch gleich die überflüssigen Augen geblendet. Zwischenzeitlich hat der Sturm den Trieb einer Rebe abgeknickt. Aber da ich immer einen Sicherheitszapfen mit zwei Augen stehen lasse, ist die Rebe gerettet. Neuer Kordon, neues Glück.

      Im kommenden Jahr werde ich den Winter erst einmal komplett abwarten. So alle 11 Jahre gibt es aufgrund geringem Vorkommen von Sonnenflecken einen späten und starken Wintereinbruch mit sehr tiefen Temperaturen. Eine exakte Vorhersage ist nicht möglich, da die Schwankungen zwischen 9 und 14 Jahren liegen. Aber Modellrechnungen deuten darauf hin, dass es 2021 wieder soweit sein könnte.

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Biologisch-dynamischer Anbau von Tafeltrauben" geschrieben. 19.01.2020

      Letztes Jahr hatte ich den Versuch gestartet, auf die geschnittenen Reben beginnend im Januar Natrium zu spritzen, um die überwinternden Mehltausporen zu reduzieren. Gefühlt hat das nicht viel gebracht. Dieses Jahr starte ich einen neuen Versuch, diesmal mit einer Mischung aus Natrium und Betaisodona. Irgend jemand hat irgendwann mal davon geschrieben, dass er Betaisodona benutzt und damit gute Erfahrungen macht.

      Weiterhin habe ich einige meiner Reben vermessen, um zu sehen, wie sich mein Schnitt auf das Dickenwachstum der Triebe auswirkt. Dazu habe ich an jeweils drei Stellen mit der Schieblehre die Triebstärke der Reben gemessen und notiert. Einige Reben habe ich eher mit einem kurzen aber starken „F“-Trieb versehen, andere mit einem etwas längeren und mittelstarken Trieb und wieder andere mit einem sehr langen, aber schwächeren Trieb. Diese Reben werden nun im laufenden Jahr noch unterschiedlich belastet. Am Ende des Jahres werde ich die Reben erneut vermessen und dann sehen, wie sich unterschiedlicher Schnitt in Verbindung mit unterschiedlicher Belastung auf das Dickenwachstum der Triebe auswirken. Im großen und ganzen kann ich mir natürlich heute schon ausrechnen, was im Einzelnen passieren wird, aber mit den Messwerten kann ich meine Erwartungen nachvollziehbar überprüfen.|addpics|hus-4i-5170.jpeg|/addpics|

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Senkrechte " f " Erziehung" geschrieben. 10.01.2020

      Zitat von Vorderpfälzer im Beitrag #110
      Die Frage ist, will ich Zeit verlieren?

      Die Frage ist, was will ich mit meinem Tafeltrauben? Einfach immer nur nach Schema F schneiden und Trauben ernten? Das ist die einfachste, die sicherste und sicherlich nicht die schlechteste Variante. Du verlierst damit auch keine Zeit, aber Du verlierst Erfahrung. Und wer in seinem Leben keine Erfahrungen sammelt, der verliert Zeit. Wer jährlich immer das Gleiche macht bleibt auf seinem Wissensstand stehen und versteht am Ende seine Reben nur zu einem Bruchteil. Ich lerne zunehmend, wie die Reben auf bestimmte Maßnahmen reagieren. Es macht Spaß, die Reben je nach Wachstum immer wieder unterschiedlich zu gestalten und zu schauen, wie sich der Schnitt auf die Entwicklung der Trauben auswirkt. Ich verliere mit meinen Experimenten (eigentlich sind es Jakob´s Ideen) keine Zeit, ich gewinne welche.

      Zitat von Vorderpfälzer im Beitrag #111
      Jeder kann machen was er will. Vielleicht sind solche Experimente sogar nötig und hilfreich!

      Genau das ist der Sinn dieses Forums. Jeder macht das was er will, aber auch was er kann und berichtet davon. Der Rest des Forums kann was daraus lernen oder er lässt es, ganz wie er will. Ohne Experimente gibt es keinen Fortschritt und oft sind es die Rückschläge, aus denen man die entscheidenden Erkenntnisse gewinnt. Und wenn ich falle, dann maximal auf die Ebene derer, die nichts versuchen.

      Zitat von Vorderpfälzer im Beitrag Januar 2020
      Was soll das ganze Grünzeug am Boden?
      Das klaut den Reben im Sommer das Regenwasser. Hoffe du pflügst das noch unter.

      Dazu habe ich längst alles in der Rubrik „biologisch-dynamischer Anbau von Tafeltrauben“ geschrieben

      Zitat von Vorderpfälzer im Beitrag Januar 2020
      Warum nicht einfach einen horizontalen Korden auf Arbeitsebene?
      Warum so kompliziert, wenn es auch einfach geht?

      Dazu habe ich längst alles in der Rubrik „Senkrechte „f“-Erziehung geschrieben

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Januar 2020" geschrieben. 05.01.2020

      Hier ein paar weitere Bilder von meinen Jüngsten. Nicht allzu spannend aber wichtig für die weniger Erfahrenen. Wegen meinem Sandboden und dem Bioanbau sind meine Reben immer ein Jahr hinten dran. Die ersten drei Bilder zeigen Reben vom vorletzten Jahr, die jetzt erst Beistiftstärke erreicht haben und auf drei Augen in Höhe des unteren Drahts geschnitten wurden. Die übrigen Knospen nach unten wurden geblendet. Auf Bild 1 habe ich allerdings noch das unterste Auge stehen lassen, weil ich diese Rebe beim finalen Durchgang ggf. doch noch einmal komplett zurückschneide. Sie erscheint mir einfach noch nicht stark genug. Die beiden anderen Reben sind definitiv stark genug.

      Die Bilder 4 und 5 zeigen Reben vom Vorjahr, die aufgrund mangelnder Stammstärke in diesem Winter noch einmal komplett zurückgeschnitten wurden und in 2020 schließlich Bleistiftstärke erreichen sollen. Man darf bei solch einer schlechten Entwicklung nicht zögern, die Rebe komplett zurückzuschneiden, auch wenn man dadurch ein Jahr verliert. Sonst erzeugt man Hungerleider, die sich anschließend jahrelang nicht gescheit entwickeln. Die Rebe auf Bild 5 hätte man ggf. schon auf 3 Augen auf dem untersten Draht schneiden können, aber im Zweifel schneide ich so wie hier zurück. Im Frühjahr versuche ich das unterste Auge zu entwickeln, um einen gleichmäßig dicken Stamm zu erzeugen, d.h. nachdem die Starkfrostgefahr vorüber ist, schneide ich diese beiden Reben noch einmal um ein weiteres Auge zurück.

      |addpics|hus-4d-ea42.jpeg,hus-4e-87c8.jpeg,hus-4f-4fe6.jpeg,hus-4g-0c2c.jpeg,hus-4h-3601.jpeg|/addpics|

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Januar 2020" geschrieben. 05.01.2020

      Ich habe gestern auch noch ein paar Bilder nach dem Schneiden gemacht. Wie man sieht, reicht es bei einigen Reben noch nicht zur Quadratform. Die aktuelle Form ergibt sich einfach aus der Art, wie die Rebe im letzten Jahr gewachsen ist und kann deshalb sehr vielfältig sein.

      Auf Bild 1 sieht man einen verlängerten Kordon. Im nächsten Winter wird der obere Trieb einfach um 90° nach rechts nach oben gebogen und mit einem Verlängerungstrieb waagrecht weitergeführt.

      Auf dem 2. Bild konnte ich das Holz nicht gescheit auf den waagrechten Draht biegen und habe es einfach erst mal nach oben und in einer Schlaufe wieder nach unten auf den waagrechten Draht geführt. Auch hier wird der Kordon im kommenden Winter einfach um 90°, hier nach links nach oben gebogen und mit einem Verlängerungstrieb nach unten weitergeführt.

      Beide Reben dürfen höchstens ein bis zwei Trauben tragen, sonst schimpft Jakob wieder. Besser wären natürlich gar keine, aber ich will ja auch ein paar Trauben zum Essen haben und nicht nur Holz entwickeln. Die meisten Augen habe ich geblendet. Auf den Fotos sieht man wie auf den Fotos, die ich bereits unter der Rubrik „senkrechte „f“-Form““ gezeigt habe, mehr als die von Jakob geforderten 3 Augen. Da ich nicht weiß, was der Januar und Februar noch an Frost bringen, lasse ich lieber ein paar Augen mehr stehen und breche die hinteren Triebe nach dem Austrieb aus.|addpics|hus-4b-81ad.jpeg,hus-4c-7214.jpeg|/addpics|

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Biologisch-dynamischer Anbau von Tafeltrauben" geschrieben. 03.01.2020

      Nach dem heißen Sommer, der fast ohne Regen daherkam, ist meine Sommerbegrünung kaum gewachsen. Sie hat sich dann aber aufgrund der hohen Niederschläge im Herbst und frühen Winter doch noch erstaunlich gut gemacht. Es ist allerdings fast nur Ölrettich gewachsen. Auf dem Bild sieht man ihn im Größenvergleich zu einer Bleistiftstarken Rebe, die auf drei Augen geschnitten wurde. Ohne Gründüngung hätten die massiven Niederschläge der letzten Wochen dafür gesorgt, dass in meinem sandigen Boden die meisten Nährstoffe ausgewaschen worden wären. Der Ölrettich hat diese Nährstoffe jedoch aufgenommen und hauptsächlich in der Rübe gespeichert. Das Grün friert übrigens nur bei sehr starkem Frost ab. Im März wird der Ölrettich untergefräst und gibt dann über die Zersetzung von Rübe und Kraut die gespeicherten Nährstoffe zum richtigen Zeitpunkt an die Rebe ab, nämlich dann, wenn die Rebe mit dem Wachstum durchstartet.

      |addpics|hus-49-dd2a.jpeg,hus-4a-1f41.jpeg|/addpics|

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Senkrechte " f " Erziehung" geschrieben. 03.01.2020

      Hier zwei weitere Bilder zur Veranschaulichung. Auf dem ersten Bild sieht man eine Rebe, die nur schwach belastet wurde. Man kann sehen, dass sie aus dem blauen letztjährigen Trieb in diesem Jahr gleich mehrere gleich lange Triebe zur Verlängerung des Kordons ausgebildet hat, d.h. ich konnte mir den schönsten Trieb aussuchen. Wieder ein Beispiel dafür, dass man entweder ins Holz oder in die Trauben investiert. Beides geht nicht.

      Auf dem zweiten Bild sieht man, dass der Sicherheitszapfen (gelb) i.d.R. enorm starke Triebe entwickelt. Das war fast bei allen Reben so. Unten sieht man den letztjährigen Kordon, darüber den diesjährigen Trieb aus dem Zapfen, der dicker ist als der Kordon. D.h. die Rebe hat unnötigerweise viel Kraft in den oberen Trieb gesteckt, was mir am Ende nix bringt, da dieser Trieb ja weder der Weiterentwicklung der Rebe dient und auch keine Trauben trägt. Diese Kraft geht natürlich dem unteren Kordon und den Fruchttrieben verloren. Ich werde also dieses Jahr darauf achten, den Trieb aus dem Sicherheitszapfen rechtzeitig einzukürzen und klein zu halten. Damit geht die Kraft in den Kordon und in die Fruchttriebe, von denen ja einer wieder der Verlängerung des Kordons im kommenden Jahr dient.

      |addpics|hus-47-81d4.jpeg,hus-48-5444.jpeg|/addpics|

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Senkrechte " f " Erziehung" geschrieben. 03.01.2020

      Hier ein Beispiel einer Quadraterziehung, die aufgrund normaler Belastung der Rebe nur wenig Längenzuwachs ergeben hat (Solotoi Don). Zur Verdeutlichung habe ich die Triebe wieder eingefärbt: rot der Stamm, blau der letztjährige Kordon und grün die diesjährigen Triebe. Warum nur wenig Längenzuwachs? Zum einen habe ich letztes Jahr zwei Kordons gezogen, zum anderen habe ich beide Kordons mit einigen Trauben belastet.

      Die Rebe hat sehr gut getragen, aber ihre Kraft auf zwei Kordons verteilt und in die Trauben gesteckt und nicht ins Holz. Man kann halt nur eines haben: entweder Holzzuwachs oder leckere Trauben. Auf dem zweiten Bild sieht man den fertigen Schnitt. Ich habe mich entschieden (wie übrigens bei fast allen anderen Reben auch), mich nur noch auf einen Kordon zu konzentrieren und mit dem Endtrieb, auf dem das weiße Taschentuch hängt, zu verlängern. Insgesamt ist mir am Ende nur ein Längenzuwachs von ca. 1 m geblieben. Dafür haben die Trauben lecker geschmeckt. Dieses Jahr wird die Belastung geringer gehalten, dann sollte die Quadratform kommenden Winter vollendet sein.
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    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Senkrechte " f " Erziehung" geschrieben. 03.01.2020

      Bei mir sind schon im zweiten Jahr, nachdem ich die Idee der „f“-Erziehung aufgegriffen habe, die ersten Quadratformen fertig. Auf dem Bild sieht man zwei Exemplare, in rot der Stamm, in blau de letztjährige Kordonanteil und in grün der diesjährige Zuwachs, auf die gewünschte Länge gekürzt. Bei genauerem Hinsehen sieht man noch den kleinen Sicherheitszapfen in Stammnähe. Insgesamt ist der Kordon (blau und grün) ca. 5,50 m lang, im Vergleich zu bisher 1,40 m. Damit ich es beim Einnetzen mit den Organzabeuteln etwas leichter habe und die Trauben nicht so tief Richtung Gründüngung hängen (erhöhte Mehltaugefahr), habe ich den diesjährigen Trieb nicht wie sonst auf den untersten Draht geführt, sondern auf den Draht darüber. Damit ich nicht soviel Blattmasse verliere (der Trieb hängt ja jetzt auf dem zweiten Draht ca 30 cm höher, habe ich den zweiten Draht einfach eine Stufe tiefer gehängt. Somit verliere ich von der Spaliererhöhung von 45 cm nun nur noch ca. 20 cm, d.h. im Endeffekt bleiben mir von der Spaliererhöhung noch 25 cm. Das ist mir die Sache wert.

      Die beiden Reben haben sich in 2019 dank geringer Belastung gut entwickelt und können in diesem Jahr sicher einige Trauben tragen. Natürlich nicht gleich zu viel, damit sich das Holz gut verdicken kann. Deshalb wurde der blaue Teil komplett geblendet und der grüne Teil zu einem Drittel. Von den verbleibenden Augen, wird dann jeder zweite Neutrieb ausgebrochen. Damit bleibt mehr Luft zwischen den Trieben, was die Pilzanfälligkeit reduziert. Die Anzahl der Trauben, die sich entwickeln dürfen, wird sich auf ca. 5-6 belaufen. Ziel ist, den jeweiligen grünen Trieb zwischen den Stämmen zukünftig mit ca. 7-10 tragenden Fruchttrieben zu versehen. Der Rest des Kordons dient nur der Versorgung. Falls sich darauf Triebe aus schlafenden Augen entwickeln, werden diese ausgebrochen.

      Was ist, wenn das Ganze nicht funktionieren sollte? Dann wird im nächsten Winter einfach der gesamte Kordon abgeschnitten und aus dem Sicherheitszapfen ein neuer waagrechter Kordon in altbekannter Manier gezogen als sei nichts gewesen.|addpics|hus-44-ebb5.jpeg|/addpics|

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "November" geschrieben. 18.11.2019

      Zitat von Micha74 im Beitrag #17
      Was plant oder habt Ihr vor?

      Bei mir liegt das Hauptaugenmerk im kommenden Jahr auf der Rebengesundheit. Ich muss es mit erhöhter Disziplin schaffen, den Mehltau im Griff zu behalten, was mir dieses Jahr wegen Fahrlässigkeit nicht allzu gut gelungen ist. Genau genommen ist er mein einziges Sorgenkind.

      Als erste Maßnahme werde ich mir auf jeden Fall eine bessere Spritze leisten und den Drucksprüher in Rente schicken. Der schafft es leider nicht, die Blätter überall ausreichend zu benetzen, was beim biologischen Anbau unabdingbar ist. Zudem dauert das alles viel zu lange. Weiterhin werde ich die Laubwand konsequent lockerer und durchlässiger halten, was sicherlich ein Spagat zur Maximierung der Lauboberfläche darstellt. Dieses Jahr war da auf jeden Fall zu viel Lametta. Ich muss einfach ein Optimum finden, wie viel Laub die biologische Bewirtschaftung zulässt.

      Mein Spritzplan wird wie jedes Jahr überarbeitet, da - eigentlich wie jedes Jahr - nicht alles wie gewünscht bzw. erwartet funktioniert hat. Als Biodynamiker muss man eh sehr flexibel auf die Wetterverhältnisse agieren und reagieren, deshalb wird der Spritzplan wohl niemals perfekt werden.

      Die Quadraterziehung wird weiter verfolgt, d.h. der Rebschnitt im Winter, auf den ich mich jetzt schon freue, wird danach ausgerichtet. Im Frühsommer stehen dann einige Veredelungen von älteren Reben an, die mich mittlerweile nicht mehr überzeugen (u.a. Lija, Arozny, Azalia, Original, Arolanka - geschmacklich alles keine Überflieger). Die Spaliere hatte ich schon im letzten Winter erhöht, da ist nichts mehr zu tun.

      Die Routine (Kompost im März, Gründüngung im April und im August, Bodenbearbeitung, Laubarbeit, biodynamische Spritzungen, Ertragsreduzierung etc.) wird beibehalten.

      Ansonsten freue ich mich auf die Sorten, die kommendes Jahr erstmals tragen und die Sorten, die zum zweiten Mal tragen. Es ist immer spannend zu sehen, ob sich der Geschmack vom Vorjahr bestätigt. Und natürlich freue ich mich auf die weiteren Ergebnisse der Quadraterziehung, ob sie weiterhin hält was sie verspricht.

      Last but not least werde ich natürlich all Eure Beiträge hier im Forum lesen und wie so oft auch sicherlich wieder davon profitieren.

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Allgemeine Diskussion" geschrieben. 27.10.2019

      Zitat von Plakut im Beitrag #283
      Mich würden noch vielversprechende kernlose Sorten mit gutem PIWI interessieren.


      Ich persönlich kann den Hype um die kernlosen Sorten gut verstehen, folge ihm aber nicht. Als Pfälzer lernt man zwar schon in der Kindheit, Weintrauben so zu essen, dass man keine Kerne zerbeißt. Aber seit ich Tafeltrauben habe, zerbeiße ich zwischendurch immer wieder die Kerne der Trauben sehr gerne. Meistens nur bei den großbeerigen Sorten, dort sind die Beeren i.d.R. nicht so hart wie bei den kleinbeerigen und das Verhältnis Fruchtfleisch, Schale und Kerne ist vorteilhafter.

      Wenn man die Trauben vollreif erntet, sind die Kerne ebenfalls reif und somit nicht mehr bitter, sondern sie haben einen angenehmen nussigen Geschmack. Sie müssen allerdings schön braun durchgefärbt sein, dann passt das. Traubenkerne sind übrigens sehr gesund und enthalten jede Menge Antioxidantien und Radikalefänger. Sie wirken entzündungshemmend, schützen die Gefäße, verbessern die Durchblutung, senken den Blutdruck und sollen angeblich sogar vor Krebs schützen. Aber leider halt nur in zerbissenem Zustand. Unzerbissen wandern sie weitgehend wirkungslos durch den Körper hindurch und wirken nur als Ballaststoff (immerhin).

      Am Anfang ist das Zerbeißen ungewohnt, aber schon nach kurzer Zeit lernt man das Gefühl und den Geschmack zu schätzen. Einfach mal ausprobieren, auch wenn das nicht jedermanns Sache ist, insbesondere nicht die der Kinder.

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Biologisch-dynamischer Anbau von Tafeltrauben" geschrieben. 26.10.2019

      Heute habe ich meine letzten Trauben geerntet: Osenni Czerny. Normalerweise reichen bei mir die Trauben locker bis Anfang November, in diesem Jahr allerdings nicht. Irgendwie ist aufgrund der Sommerhitze wieder alles früher reif gewesen als sonst.

      Die biodynamischen Aktivitäten sind für dieses Jahr beendet, d.h. jetzt kehrt erst einmal Ruhe im Garten ein. Ich habe mir schon mal meine Erziehungsform näher angeschaut. Überall dort, wo ich Ertrag zugelassen habe, sind die Triebe zur Verlängerung nur mäßig bis schlecht gewachsen. Bei den Reben, bei denen ich den Ertrag weggeschnitten bzw. verloren habe, haben sich die Verlängerungstriebe hingegen ordentlich entwickelt. Das ist, soweit ich das durch das Laub erkennen kann, durchgängig so. Ich kann Jakob´s Erfahrungen also nur bestätigen: entweder man setzt auf Ertrag oder man setzt auf die Holzentwicklung. Beides zusammen kann die Rebe nicht leisten. Wenn die Blätter gefallen sind, liefere ich noch ein paar Bilder zur Veranschaulichung nach.

      Anbei noch zwei weitere Bilder. Auf dem einen Bild sieht man zwei schöne goldglänzende Rosenkäfer, die sich an ein paar Trauben stärken, die ich für die Natur hängengelassen habe. Das andere Bild zeigt Rozowi Tschudo, bei mir eine Sorte für die Vögel. Zumindest denen haben sie geschmeckt. Wie heißt es noch: sie säen und sie ernten nicht und der Herr ernährt sie doch!


      |addpics|hus-40-38c3.jpeg,hus-41-426e.jpeg|/addpics|

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Oktober 2019" geschrieben. 14.10.2019

      Wer Mitte Oktober noch täglich einen Teller voll schöner Trauben hat, hat (fast) nichts verkehrt gemacht. Auf dem Teller von heute sind vorne links Georg, vorne rechts Sophie, dahinter die immer noch grasgrüne Atlantis, die nach Wochen immer noch unverändert nach grünem Apfel schmeckt und links dahinter eine weiße Sorte, deren Namen ich leider verschlampt habe. Es war auf jeden Fall eine PIWI-Sorte, die ich mal vor Jahren beim Geilweiler Hof, dem Julius-Kühn-Institut in Siebeldingen, erstanden habe. Sie reift erst Anfang Oktober, ist knackig und schmeckt fruchtig.|addpics|hus-3x-0390.jpeg|/addpics|

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Herstpflanzung oder Frühjahr?" geschrieben. 13.10.2019

      Dieses Bild kennt Ihr schon aus dem vorherigen Beitrag. Und so sieht der Wingert heute, nach fast 6 Monaten aus. Die meisten Reben sind in der Zwischenzeit sehr schön ca. 2,50 m gewachsen. Es gab nur sehr wenige Ausfälle über den trockenen Sommer. Dank konventioneller Spritzung sind die Reben noch schön grün. Und nun die Preisfrage für all diejenigen, die ihre Reben wässern als wären es Wasserpflanzen: wie oft wurde dieser Wingert seither gewässert?

      Antwort: gar nicht!

      Die Reben haben den extrem heißen und trockenen Sommer ohne jegliche Bewässerung schadlos überstanden. Vorsicht für Nachahmer: hier handelt es sich um Lehm-Löss-Boden. Bei sandigen Böden, die nur schlecht Wasser speichern, wird das evtl. so nicht funktionieren.

      Wo es auf jeden Fall funktioniert, ist bei den Tomaten. Ich gieße meine Tomaten nur am Anfang bis sie gut angewachsen sind. Dann stelle ich das Gießen komplett ein. Der Lohn sind Tomaten von hervorragendem Geschmack, so wie beim Tomatenpapst Erich Stekovic vom Neusiedler See, bei dem ich das abgeschaut habe.

      Daneben noch ein Bild von der neuen Schnittform “Minimalschnitt”. Das was so aussieht wie Burgzinnen, ist ein maschinell geschnittener Wingert. Die Zinnen sind die Rebpfosten, bei denen die Maschine höher schneiden muss. Beim Minimalschnitt werden die Reben nur noch maschinell “rasiert” und nicht mehr gebunden. Das spart Lohnkosten. Die Rebe verbuscht von innen heraus und die Trauben hängen dann außen. Die Trauben werden auch kleiner; ob sie qualitativ mit den Beeren aus dem Normalschnitt mithalten können, ist allerdings in der Fachwelt umstritten. Für mich ist auch fraglich, in wie weit man hier gezielt und vernünftig Spritzungen durchführen kann. |addpics|hus-3u-1359.jpeg,hus-3v-a38a.jpeg|/addpics|

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Biologisch-dynamischer Anbau von Tafeltrauben" geschrieben. 10.10.2019

      Ich habe mal ein paar Erkenntnisse zum biodynamischen Anbau zusammengetragen. Wie die Biodynamie wirkt, ist wissenschaftlich noch nicht erforscht. Es ist aus wissenschaftlicher Sicht grundsätzlich schwierig, biodynamische Wirkungsweisen darzustellen, da die Präparate kontextabhängig wirken. D.h. sie wirken je nach Umgebung anders und die Versuchsreihen sind in der freien Natur nicht exakt reproduzierbar. Es gibt leider auch kaum Forschungsfelder, da es bei der Biodynamie im Vergleich zur Spritzmittelindustrie kein Geld zu verdienen gibt. Insofern gibt es auch zu wenige Studien in Laborumgebung. Die bisherigen Ergebnisse beruhen im Wesentlichen auf Beobachtungen der Wirkung, nicht jedoch auf dem “wie”. Dass Biodynamie wirkt, ist aufgrund einer Vielzahl von Langzeitversuchen, Forschung, Studien und wissenschaftlichen Untersuchungen mittlerweile belegt. Selbst hartnäckige Leugner und Verweigerer sind gehalten, sich zumindest der Diskussion zu stellen.

      Biodynamie ist kein Wunderverfahren, das direkt ins Auge fallenden Ergebnisse liefert. Sie wirkt derart auf die Planzen, dass diese in ihrem Umfeld vernünftig und optimal gedeihen. In einem Umfeld,

      - in dem schlechte Verhältnisse herrschen, verhilft die Biodynamie zu besseren Erträgen.
      - wo bereits gute Verhältnisse herrschen, ist mit kaum Ertragszuwachs zu rechnen und
      - wo Hochleistungsverhältnise und hohe Erträge herrschen, z.B. durch erhöhten Düngemitteleinsatz, kommt es sogar zu einem Ertragsrückgang, weil die Biodynamie hier regulierend für “vernünftige” Verhältnisse sorgt und die erhöhte Düngeraufnahme der Pflanze reduziert.

      Biodynamie reguliert die Pflanzen und die Pflanzenumgebung (insbesondere den Boden und die Pflanzenkonstitution). Dass der biodynamisch behandelte Boden feinkrumiger wird, ein stärkeres Wurzelwachstum bewirkt, mehr Regenwürmer anlockt, eine differenziertere Bodenfauna besitzt, Wasser besser speichert, Verrottungsprozesse verbessert und vor allem auch über die Jahre den Humusgehalt erhöht, wurde bereits beschrieben und ist auch belegt.

      Für uns Tafeltrauben-Freaks sind folgende Erkenntnisse aus dem biodynamischen Weinbau übertragbar und wichtig:

      Die Rebe scheint auf die Biodynamie besonders gut anzusprechen. In mehrjährigen Studien wurde folgendes beobachtet. Biodynamie sorgt u.a.:

      - für ein geregelteres Wachstum der Rebe, d.h. kürzere Internodien und kürzere Triebe
      - für eine Reduzierung des Schnittholzes, da die Rebe viel weniger Geiztriebe produziert. Dies macht sich positiv bemerkbar in Bezug auf die Pilzanfälligkeit der Rebe durch weniger Geiztriebe-Blattmasse
      - für kleinere Beeren
      - für weniger Beeren und damit für eine erhöhte Lockerbeerigkeit. Dies macht sich ebenfalls positiv bemerkbar auf die Pilzanfälligkeit, vor allem Botrytis
      - für eine bessere und i.d.R. frühere Abreifung der Beeren (bringt ca. 7 Tage früheren Ertrag)
      - für einen besseren Geschmack der Beeren
      - für eine bessere Verholzung der Triebe vor dem Winter (verbesserter Frostschutz)
      - für härteres Rebholz (das Schneiden wird dadurch leider kraftaufwändiger)
      - die Kombination der Ausbringung von Kompost, der mit tierischen Dung und mit biodynamischen Präparaten präpariert wurde, mit der parallelen Ausbringung von Kalimagnesia zeigte signifikante Ertragserhöhungen, verbesserte Stickstoffaufnahme und wiederstandsfähigere Pflanzen (das funktioniert denke ich auch mit nicht biodynamisch präparierten Kompost, also ausprobieren!)
      - Düngung mit Gesteinsmehl brachte keine Ertragssteigerungen, sondern nur Mehrkosten (ich verwende grundsätzlich Gesteinsmehl beim Aufsetzen des Kompostes und sehe den Nutzen nicht in der Ertragssteigerung, sondern in der Bodenverbesserung).

      Vieles oben genannte gilt natürlich auch für biodynamisch angebautes Obst und Gemüse gleichermaßen. So sorgt die Biodynamie zusätzlich für eine verbesserte Lagerfähigkeit von Obst und Gemüse, die ja bei Weintrauben keine Rolle spielt. Bei Tafeltrauben hingegen schon.

      Manche Ergebnisse erscheinen im Kontext zu den Tafeltrauben und den in diesem Forum oft propagierten Zielen auf den ersten Blick negativ (weniger und kleinere Beeren, geringere Blattmasse etc.). Wer seine Trauben vermarktet, erzeugt dann weniger Traubengewicht pro ha, wenn seine Produktionsverhältnisse durch starke Düngung bereits überproportional sind (s.o.). Auf den zweiten Blick überwiegen jedoch über die Jahre die Vorteile. Weg von der Hochleistungsproduktion hin zu einem natürlichen und naturnahen Anbau mit gesundem Boden, gesunden Pflanzen und unbedenklich genießbaren Trauben in Bioqualität.

      Ich freue mich jetzt schon auf die Auseinandersetzung mit meiner Mehltau-Problemzone im oberen Teil des Gartens. Leider habe ich nur einen Versuch pro Jahr und jedes Jahr ist anders.

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Traubenwickler und Sauerwurm" geschrieben. 10.10.2019

      Zitat von Anselmo im Beitrag #7
      Reblaus, woher beziehst du denn die Dispenser?


      Ich kenne einen Winzer, da darf ich im Frühjahr in den Sack mit Dispensern reingreifen. Im Herbst gibt es im Gegenzug ein paar Kilo Tafeltrauben. Ich benötige ja nicht viel Dispenser für meine 600 qm. Pro 20 qm wird ein Dispenser benötigt. Obwohl es nicht funktioniert, da es laut den Theoretikern nicht funktionieren darf, hatte ich noch nie auch nur eine geschädigte Traube.

      Die mir bekannten Verkaufseinheiten sind für den Hobbygebrauch allerdings viel zu groß, z.B. von Raiffeisen oder Proplanta. Achtung: es gibt es Hinweise darauf, dass die Pheromone der BASF-Dispenser evtl. toxische Wirkung auf den Menschen haben können. Deshalb verzichten mittlerweile Biowinzer und Biodynamiker teilweise auf diese Dispenser und spritzen die folgende Alternative:

      Diese Alternative nennt sich “bacillus thuringiensis”. Er fällt unter die ökologisch zugelassenen Wirkstoffe und ist beispielsweise in dem Spritzmittel “Xentari” enthalten. Es handelt sich dabei um ein Bakterium, dessen Proteine die Darmwandzellen der Raupen schädigen bzw. perforieren und die Raupen damit töten. Das Bakterium schädigt aber leider alle Raupen, also auch die von nützlichen Schmetterlingen und Käfern etc.. Insofern ist dieses Mittel aus ökologischer Sicht äußerst kritisch zu sehen. Für mich kommt es nicht in Frage, da ich fast den ganzen Garten voll mit Tafeltrauben habe und den Garten als Gesamtökosystem betrachte, in dem ich nichts bekämpfe, sondern nur unterstützend wirke.

      Bliebe noch das Organzasäckchen. Ich habe allerdings keine Erfahrung damit, die Säckchen in einem sehr frühen Reifestadium der Beeren aufzuziehen, da ich die Säckchen immer erst so spät wie möglich und hauptsächlich wegen der Kirschessigfliege nutze (da besagte Fruchtfliege aber keine Hitze und keine direkte Sonne mag, hat sie bei uns in der Region in den vergangenen zwei Jahren durch die heißen Sommer und das Entblättern der Traubenzone bei den Winzern und bei mir keine Rolle gespielt). D.h. ich weiß nicht, in wie weit dadurch evtl. die Entwicklung der Beeren beeinträchtigt wird.

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Biologisch-dynamischer Anbau von Tafeltrauben" geschrieben. 06.10.2019

      Nach der langen Trockenheit habe ich die regnerischen Tage genutzt, um dynamisierten Hornmist und zur weiteren Unterstützung der Bodenaktivät dynamisierten Rottelenker auszubringen. Der Regen sorgt dafür, dass die dynamisierten Präparate sicher in den Boden gelangen. Der Rottelenker unterstützt die Verrottungsprozesse im Boden und im Komposthaufen.

      Aufgrund der Hitzeperiode im Sommer ist bei meiner Gründüngung fast nur Ölrettich aufgegangen (s. Foto). Da gab es für Nachbars Bienen leider nicht viel zu naschen. Dennoch sieht es bei mir weitaus besser aus als in den konventionell bewirtschafteten Weinbergen um mich herum: mehr oder weniger tote Rebgassen ohne jegliches Leben. Insekten haben hier kaum eine Chance, keinen Lebensraum, kein Vogel weit und breit, kein Fasan, kein Hase. Jeder Quadratzentimeter wird der maschinellen Bewirtschaftung und dem Kommerz gewidmet. Immer noch wird das Unkraut unter den Reben totgespritzt und zwischen den Rebzeilen wächst nur befahrbares Gras. Aktuell werden in Deutschland von gerade einmal 4,5 % der Winzer nur rund 7 % der Rebfläche ökologisch bewirtschaftet. Unvorstellbar, welche Giftmengen in den Weinbergen gespritzt werden, um die Reben “gesund” zu halten.

      Der Ölrettich wurzelt immerhin bis zu 1,5 Meter in die Tiefe, lockert den Boden, bindet nicht benötigte Nährstoffe, schützt den Boden vor Auswaschung und sorgt mit seinem weit verzweigten Wurzelwerk dafür, dass der Boden die aktuellen Niederschläge speichern kann. Die übrigen Samen sind durch die Trockenheit leider fast vollständig untergegangen. Der Biodynamiker ist halt direkt von der Natur und deren Unberechenbarkeit abhängig und muss sich der jeweiligen Entwicklung anpassen. Deshalb werde ich im kommenden Frühjahr wieder Kompost (mein Kompost ist durch einige Zusätze eher eine Art Terra Preta) und zusätzlich aktivierte Pflanzenkohle ausbringen, damit die danach ausgesäte Gründüngung bessere Bedingungen vorfindet.

      An einem schönen sonnigen Oktobertag werde ich ein letztes Mal dynamisierten Hornkiesel für die Holzreife ausbringen. Damit wären dann die biodynamischen Aktivitäten für dieses Jahr beendet. Bis Ende Oktober werden noch die letzten Rebsorten geerntet. Aktuell reifen nach und nach “Georg”, “Ossenij Czerny”, “Valentine”, “Angela”, “Moldawa” und “Pölöskai Muskotaly”. Dann kehrt bis zum Winterschnitt erst einmal Ruhe ein.

      Insgesamt bin ich nach der Hitzeperiode und dem Mehltau-Desaster im Juli, das mich ca. 25% der Ernte gekostet und die betroffenen Reben in ihrer Entwicklung ganz sicher geschwächt hat, ganz zufrieden. Seit Ende Juli essen und verschenken wir täglich kiloweise leckere Tafeltrauben in Bioqualität. Ich habe wieder einiges dazu gelernt und versuche die gewonnenen Erkenntnisse im kommenden Jahr positiv umzusetzen. Kein Jahr ist wie das andere. Das macht das Bio-Gärtnern so spannend.
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    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Biologisch-dynamischer Anbau von Tafeltrauben" geschrieben. 23.09.2019

      Zitat von Ohne Chemie im Beitrag #181
      Theorie und Praxis müssen zusammenpassen und moglichst einfach sein. Wo sollen wir praktisch die Hörner und Därme nehmen? Und wenn wir auch die besorgen, es wird eine stinkige Angelegenheit. Wie am Schlachthof. Da freuen sich unsere Nachbarn. Die Umweltschützer verklagen uns wegen Grundwasserverschmutzung.


      Ich mache die Präparate auch nicht selber, sondern kaufe sie mir zu. Die Anbieter findet man im Internet. Für einen Hobbygärtner ist der Aufwand der Herstellung i.d.R. zu hoch. Zudem stellt man aufgrund der Größe der Hüllen automatisch eine große Menge Präparate her. Benötigt werden im biodynamischen Landbau jedoch nur sehr kleine Mengen, da es ja um die Weitergabe von biodynamischen Informationen geht. Homöopathie für Pflanzen sozusagen.

      Zitat von AudeAriege im Beitrag #183
      ... ich hoffe, ich darf hier auch Fragen stellen und event. Infos aus anderen Gegenden, die ich bei meiner Recherche für einen kleinen Tafeltrauben Anbau gefunden haben mitteilen.


      Natürlich bist Du hier willkommen zum fachlichen Austausch. Insbesondere dann, wenn Du die Bio-Fraktion hier in diesem Forum verstärkst und Deine Erfahrungen und Beobachtungen mit uns teilst. Es gibt zwar immer wieder Gegenwind durch die ewig Gestrigen, aber das kennen wir Bios ja zur Genüge und wir sind wie unsere PIWIs ja mittlerweile resistent dagegen.

      Es sollte Dir eine Überlegung wert sein, ob Du nicht direkt auf biodynamisch umsteigst. Der zusätzliche Aufwand ist marginal. Meines Wissens ist die biodynamische Bewegung in Frankreich nicht so stark vertreten. Da es bei Dir heißer und ggf. trockener ist als bei uns, unterstützt der biodynamische Anbau u.a. die Trockenresistenz der Pflanzen und verstärkt deren Wurzelwachstum. Das Bodenleben verändert sich positiv und die Speicherfähigkeit des Bodens für Feuchtigkeit wird höher.

      Stelle einfach einen Acker auf biodynamisch um und den Acker daneben nur auf Bio. Nach 1-2 Jahren vergleichst Du objektiv das Bodenleben, die Bodenkonsistenz, die Wurzeln gleicher Pflanzen, die Pflanzengesundheit usw.. Wenn Du keinen signifikanten Unterschied bemerkst, stellst Du den biodynamischen Versuch einfach wieder ein und hast außer ein paar Euro für die Präparate und ein wenig Zeitaufwand nichts verloren. Ich kenne eine Deutsche ca. 250 km südlich von Paris, die aktuelle grade eine größere Landwirtschaft von konventionell auf biodynamisch umstellt.

    • Reblaus hat einen neuen Beitrag "Biologisch-dynamischer Anbau von Tafeltrauben" geschrieben. 22.09.2019

      Komme gerade von einem zweitägigen Präparatekurs für biodynamische Präparate zurück. Dort haben wir Kuhhörner mit Kuhmist gefüllt und vergraben, Hirschblasen mit Schafgarbe gefüllt und vergraben, Kamille in Kuhdärme gefüllt und vergraben, Löwenzahn in Rindergekröse gefüllt und vergraben, Rinderschädel mit Eichenrinde gefüllt und im Schlamm eines Teichs vergraben und mit Hornkiesel gefüllte Kuhhörner, die im Frühjahr vergraben wurden, ausgegraben. Dazu wurde eine Menge Theorie und Hintergrundwissen sowie Zusammenhänge vermittelt. Anbei ein paar Bilder zur Veranschaulichung.

      Das hört sich für jemanden, der sich nicht damit beschäftigt, natürlich alles sehr schräg an. Auch ich habe mich teilweise gefragt, was ich da überhaupt mache. Ich selbst verstehe die Wirkungsweise nicht. Wie soll ich das als realistisch denkender Mensch jemand erklären, dass ich etwas mache, ohne es zu verstehen? Die genaue Wirkungsweise der Präparate können zudem auch die Fachleute leider nicht abschließend erklären. Aber die Fachleute und alle Teilnehmer berichten aus eigener Erfahrung ausnahmslos von den positiven Wirkungen auf ihre Böden und Pflanzen.

      Da waren landwirtschaftliche Unternehmen aus dem Osten vertreten, die ab sofort mehrere tausend Hektar Ackerland auf biodynamisch umstellen werden und ihre Leute geschickt haben, um die Verfahren zu erlernen. Wieso stellt ein wirtschaftlich orientiertes Unternehmen in einer strukturarmen Region eine so große Fläche auf eine weitaus arbeitsintensivere Bewirtschaftungsart um und bekennt sich zum Vergraben von Kuhhörnern, wenn an der Biodynamie nichts dran sein sollte? Junge wie alte Menschen entsagen der Chemie-Hörigkeit, erkennen dass wir jahrzehntelang nuturschädigend gewirtschaftet haben, setzen auf natürlich und ehrlich erzeugte biologische Produkte, arbeiten eng mit der Natur, sind extrem zufrieden, arbeiten mehr und dennoch wirtschaftlich.

      Zugegebenermaßen eine komische und schwer zu verstehende Konstellation. Man macht Dinge (s.o.), die man eigentlich gar nicht weitererzählen möchte, damit man nicht für verrückt erklärt wird, gleichzeitig berichten alle Biodynamiker ausnahmslos von den positiven Auswirkungen und Erfahrungen und es stellen immer mehr Betriebe auf biodynamisch um, obwohl wissenschaftliche Beweise fehlen. Es ist auch bei allen Biodynamikern keinerlei Tendenz erkennbar, Nicht-Biodynamiker überzeugen zu wollen. Man ist in dieser Hinsicht total zurückhaltend, regelrecht bescheiden, was ich einerseits nicht verstehe, andererseits mit großem Respekt wahrnehme. Man zeigt ohne Prahlerei, was man durch die biodynamische Bewirtschaftung erreicht hat und das wars auch schon. Klingt für Außenstehende fast nach Sekte oder Geheimbund, was es aber definitiv nicht ist.

      Ich mache weiter und berichte.|addpics|hus-3k-1932.png,hus-3l-30c1.png,hus-3m-34bf.png,hus-3n-a65e.png|/addpics|

Empfänger
Reblaus
Betreff:


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Der Anbau von Tafeltrauben in Deutschland ist gar nicht schwierig und unmöglich, es liegt nicht an der Rebe, dem Wetter oder dem Boden, es ist eine Frage des Wollens, denn die Tafelrebe, eigentlich eine Liane, hat keine großen Ansprüche an den Boden. Sie ist starkwüchsig und an einem sonnigen Platz, mit dem richtigen Schnitt und ein bisschen Pflege wird sie uns mit ihren Trauben belohnen. Für kältere Lagen gibt es frühreifende Sorten die mit weniger Sonnentagen genauso zurechtkommen wie mit halbschattigen Standorten. Es gibt mittlerweile pilzwiderstandsfähige Reben, sogenannte PIWI Reben, die weniger Behandlung benötigen. In diesem Sinne, schauen Sie in unser Forum herein und lassen Sie sich inspirieren. Ihre Fragen und Diskussionen sind hier willkommen!


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