Agroscope präsentiert sieben neue resistente Rebsorten

07.04.2026 05:48
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Agroscope präsentiert sieben neue resistente Rebsorten

Quelle: https://www.agroscope.admin.ch/agroscope...-rebsorten.html

Agroscope informiert über die Zulassung von sieben neuen Rebsorten, die über eine dauerhafte Resistenz gegenüber den wichtigsten Pilzkrankheiten und hervorragende önologische Eigenschaften verfügen. Sie sind das Ergebnis von mehr als fünfzehn Jahren Züchtungsarbeit. Am 29. Januar 2026 wurden sie in Martigny (VS) an der Agrovina vorgestellt.

Die neu zugelassenen sieben Rebsorten heissen Florisia, Elaris, Orellis, Damona, Valpesia, Dioniso und Taranis. Doch was ist das Besondere an diesen vier weissen und drei roten Rebsorten? Sie verfügen über mindestens zwei Resistenzgene gegenüber Falschem und Echtem Mehltau - die beiden wichtigsten Pilzkrankheiten der Rebe. Dank der verwendeten Züchtungsstrategie bekannt unter der Bezeichnung «Genpyramidierung» konnte eine stabilere und nachhaltigere Resistenz erreicht werden. Die Sorten können dadurch den Anpassungsmechanismen der Krankheitserreger entgegenzuwirken und sind gleichzeitig wenig anfällig gegenüber Schwarzfäule und Botrytis.
80 bis 90 % weniger Pflanzenschutzbehandlungen

Die sieben neuen Rebsorten wurden in verschiedenen Terroirs in der Schweiz und in Frankreich getestet und haben sich auch in Jahren mit starkem Pilzbefall als wirksam gegen Falschen Mehltau und Echten Mehltau erwiesen. Um einen Verlust der Resistenz zu vermeiden und andere Sekundärkrankheiten zu bekämpfen, werden dennoch ein bis zwei Fungizidbehandlungen pro Jahr empfohlen. Die deutliche Reduktion der Pflanzenschutzbehandlungen trägt zu einem umweltfreundlicheren Weinbau bei.
Französisch-schweizerische Zusammenarbeit

Die neuen Rebsorten wurden in Zusammenarbeit mit dem INRAE, dem französischen Partnerinstitut zu Agroscope, entwickelt. Sie sind das Ergebnis von Kreuzungen zwischen Sorten, die von den beiden Instituten aufgrund ihrer önologischen Eigenschaften und ihrer Widerstandsfähigkeit ausgewählt wurden. Die Resistenz-Gene stammen von amerikanischen (Vitis rupestris, Vitis aestivalis, Vitis rotundifolia) und asiatischen (Vitis amurensis) Rebsorten.

Jeder Schritt im Selektionsprozess – von den Kreuzungen über die Resistenztests der jungen Setzlinge bis hin zur Bewertung im Rebberg und den Mikrovinifikationen – war aufwändig und erforderte Geduld und Sorgfalt.

Von den Tausenden von Samen, die seit 2009 ausgesät wurden, wurden nur die vielversprechendsten Pflanzen ausgewählt. Mit dieser aufwändigen Methode konnte Agroscope anerkannte resistente Rebsorten wie Divico züchten – die wichtigste resistente Rebsorte, die in unserem Land angebaut wird.
Weine der Zukunft

Die neue Generation von resistenten Rebsorten ist Teil einer Zukunftsvision: hochwertige Weine produzieren und gleichzeitig den ökologischen Fussabdruck des Weinbaus verringern. Die neuen Sorten erfüllen die steigenden Erwartungen der Gesellschaft an hochwertige, authentische und nachhaltige lokale Produkte.
Demnächst für Baumschulen verfügbar

Der nächste Schritt wird die Vermehrung der Sorten durch Baumschulen sein. Bis die ersten Weine verkostet werden können, muss man sich jedoch noch etwas gedulden. Die ersten Pflanzen werden voraussichtlich erst 2029 für die Winzerinnen und Winzer verfügbar sein.

Dateianhänge
  • 2026_01_29_Medienrohstoff_Neue resistente Rebsorten_DE.pdf
  • Sieben neue resistente Rebsorten _2_.pdf

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07.04.2026 12:47
#2
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Danke fürs einstellen. Ich wünsche den Sorten eine weite Verbreitung.
Vielleicht in einer Welt, die wieder mehr Wein oder Traubensaft trinkt und so die Landschaft und Artenvielfalt der Weinbaugebiete erhalten werden kann.


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07.04.2026 15:25
#3
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Die neuen Kreuzungen gehen schon einmal in die richtige Richtung.
Aber dafür haben die 15 Jahre gebraucht? Dann brauchen sie nochmal 15 Jahre bis wirklich was Gutes dabei ist.

08.04.2026 01:32 (zuletzt bearbeitet: 08.04.2026 01:56)
avatar  Dietmar
#4
Di

Zitat
Ich wünsche den Sorten eine weite Verbreitung.



Leider hat sich heraus gestellt, dass es neue Piwi-Sorten in D sehr schwer haben, sich durchzusetzen.

Gründe:
- In jedem dt. Weinbaugebiet dürfen nur festgelegte Weinsorten angebaut und in Verkehr gebracht werden dürfen. Das soll den "Charakter" des Weinbaugebietes erhalten. Neue Piwi-Sorten haben in den meisten dt. Weinbaugebieten kaum eine Chance auf Zulassung.
- In den letzten ca. 40 ... 50 Jahren gab es einige neue Weinsorten, die geschmacklich nicht überzeugt haben, z.B. Dornfelder, Regent - großer finanzieller Reinfall. Außerdem war die Pilzfestigkeit nicht so gut, wie erwartet. Das hat die Risikobereitschaft der Winzer bezüglich neuer Sorten stark vermindert. Die weißen Piwi-Sorten waren dagegen qualitativ viel besser, z.B. Solaris und Muscaris und werden zu Recht mit höheren Preisen gehandelt als herkömmliche Weinsorten. Aber die Anbauflächen sind sehr überschaubar. Im Handel habe ich diese Sorten noch nie gesehen. Man kann solche Sorten nur im Spezialhandel im Internet oder direkt bei den Winzern kaufen. Deshalb machen wir im Herbst meist eine Genussreise in ein Weinbaugebiet.
- Die meisten Weintrinker in D sind nur Gelegenheitstrinker, die entweder billige Importweine oder Weine trinken, deren Namen auch Wein-Dummies noch kennen. Die Genießer haben oft feste geschmackliche Vorlieben und nur wenige, wie z.B. wir, suchen gezielt seltene Sorten, d.h. die Nachfrage des Marktes nach neuen Sorten ist sehr gering. Neue Generationen von Weintrinkern folgen nicht nach, weil von unter 40-Jährigen fast kein Wein mehr getrunken wird. Winzer müssen bei der Aufrebung eines Weinberges viel vorfinanzieren und dann muss ein Weinberg ca. 30 ... 35 Jahre finanziellen Ertrag bringen und das geht nur mit Sorten, die auch in nennenswerten Umfang verkauft werden können. Der nicht nachgefragte Rest wird dann als Glühwein auf Weihnachtsmärkten verramscht.
- Manche Sortennamen passen einfach nicht zu Wein.
- Die seit vielen Jahren sinkende Nachfrage nach Wein ist auch nachteilig beim Aufreben mit neuen Sorten. Nicht selten werden immer mehr Rebflächen stattdessen aufgegeben, vor allem in Steillagen, z.B. an der Mosel. Neben dem Nachfrageproblem gibt es auch ein Arbeitskräfteproblem. Ich wünsche den Sorten eine weite Verbreitung. Vor allem Jüngere scheuen die harte Arbeit in den Steillagen und die Älteren sind irgendwann und zunehmend nicht mehr dazu in der Lage.


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11.04.2026 14:01
#5
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Der einfache Grund ist, die Piwiweine werden kaum gekauft.
Aktuell ist Grauburgunder noch halbwegs bezahlt, bei allen anderen Sorten legt der Winzer drauf.
Deshalb werden nicht nur an der Mosel Weinberge gerodet. 1300€ pro Hektar für Naturbegrünung ist mit einem Hektar Rebfläche nicht zu erzielen.


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