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#11 RE: Sortenempfehlung von guggi 21.03.2018 10:49

Original ist meiner Meinung nach eine Schautraube, ähnlich wie Philipp. Original ist zwar früher wie Philipp, aber dennoch sehr spät. 2016 z.B. nicht reif geworden bei mir. Hat aber auch bei Vollreife bei mir ein Mundgefühl das ich zwischen mehlig und unreif ansetzen würde. Also sicherlich nichts für jemanden der beschränkten Platz hat, da ist der Vorschlag von Jakob sinnvoller.

#12 RE: Sortenempfehlung von Dietmar 21.03.2018 11:35

Ich bin kein Anhänger von Muskat Bleu, weil schlechte Erfahrungen gemacht. Ich habe alle Muskat Bleu wieder gerodet.

Ohne Zweifel ist Muskat Bleu sehr pilzfest und der Geschmack ist sehr gut. Es gibt aber viele Gründe, die gegen M.B. sprechen, z.B.:
- kleine Trauben und Beeren
- vier große Kerne pro Beere
- sehr zähe Beerenhäute
- sehr empfindlich für Verrieseln.

Es gibt sehr viel bessere Sorten als M.B. und Jakob ist da ein sehr guter Ratgeber, da er neben einem profunden Wissen ein ähnliches Klima wie Du hast.

Sehr pilzfeste Sorten sollte man trotzdem mindestens 2 bis 3 mal spritzen, denn keine essbare Sorte kommt ohne Spritzen aus. Wenn man mal ein oder zwei Jahre gar nicht spritzt, dann überleben und vermehren sich die Pilzsporen immer mehr und in den Folgejahren kann es zu starken Pilzinfektionen kommen. Sorten mit schlechter Pilzfestigkeit muss man deutlich häufiger spritzen, z.B. die erwähnte Kischmich Luc.. Das kann bei Sorten ohne Pilzfestigkeit schon mal bis zu 10 bis 12 mal pro Jahr sein.

Es gibt zwei Hauptpilzgegner für Reben: echter Mehltau (Oidium) und falscher Mehrtau (Pero). Oidium gedeiht vor allem bei trockenen Wetter und Pero bei feuchtem. Pero ist sehr eng verwandt mit der Braun- und Krautfäule bei Tomaten und Kartoffeln, d.h. wenn T. und K. in der Nähe angebaut werden, dann sind die Reben in Gefahr und müssen häufiger gegen Pero gespritzt werden.
Oidium wiederum gibt es auch bei Rosen und anderen Blumen, Apfelbäumen, Gurken, Zucchini, Kürbis u.a.. Wird das in der Nähe angebaut, muss häufiger gegen Oidium gespritzt werden.
Als Hobbyanbauer kann man in D lt. Gesetz nur Kleinstpackungen an Pflanzenschutzmitteln kaufen und das zu Apothekerpreisen. Falls Du mal nach Österreich oder Tschechien fährst, gibt es diese Beschränkungen nicht, zumindest als ich vor wenigen Jahren dort war. Dort brauchte ich auch keinen Befähigungsnachweis für Pflanzenschutzmittel, den man in D für wirksamere Mittel und größere Packungen selbst wenig gefährlicher Pflanzenschutzmittel braucht. Hat man sehr pilzfeste Sorten, dann helfen schon recht milde Mittel. Lese dazu auch mal hier im Forum zu Fungiziten und zum Ökoanbau.

Oidium: Standardspritzmittel ist Netzschwefel, da dieser auch gegen einige tierische Schädlinge hilft. Netzschwefel hat jedoch eine sehr lange Wartezeit (56 Tage), obwohl die für Tafeltrauben eigentlich sinnlos ist. Netzschwefel wird auch als Schwefeldünger gebraucht, da mit der Luftreinhaltung zunehmend in Deutschland Schwefelmangel herrscht. Milde Spritzmittel sind Molke (ca. 10 %) und Backpulver. Zu letzterem habe ich eine Dissertation hier im Forum gepostet, in der die erforderliche Konzentration der Spritzbrühe untersucht wurde, denn zu wenig Backpulver hilft nur wenig und zuviel schädigt u.U. die Reben. Molke und Backpulver haben keine Wartezeit, wirken aber nicht ganz so gut wie Netzschwefel.

Pero: Standard für den Kleingarten sind Kupferspritzmittel, z.B. Kupferhydroxid und Kupferoxychlorid - mal damit bei Amazon guggeln, dann findet man etwas oder im Gartenmarkt fragen. Es gibt weitere Mittel für Hobbygärtner, also danach hier mal im Forum gucken.

(Fast) Alle Mittel für Kleingärtner sind Kontaktmittel, bleiben also auf den Blättern und Beeren und dringen nicht ein. Das bedeutet, dass nur die Flächen geschützt sind, welche auch benetzt wurden und das bedeutet, alles muss von allen Seiten richtig eingenässt werden. Der nächste Regen spült allerdings das Fungizit wieder ab, so dass erneut gespritzt werden muss. Alle diese Mittel wirken nur vorbeugend, nicht, wenn der Befall schon eingetreten ist. Zur besseren Benetzung der Flächen empfiehlt sich, ein paar Tropfen Spülmittel in die Spritzbrühe zu geben. Es sollte auch beachtet werden, dass Billiggartenspritzen nicht für etwas dickflüssigere Spritzbrühen wie Netzschwefel und Molke geeignet sind.

Außer der Kirschessigfliege, der man mit Organzabeuteln Herr werden kann (ebenso wie Wespen und Vögel) gibt es noch den Traubenwickler, einen unscheinbaren braun-schwarzen Schmetterling, der seine Eier auf den Beeren ablegt, aus der dann bis zu ca. 14 mm lange Würmer schlüpfen, welche aber in Wirklichkeit Raupen sind. Die fressen die Beeren von innen auf. In der Nähe oder in Weinbaugebieten ist in den letzten Jahren der Befallsdruck stark angewachsen. Hier helfen Organzabeutel nicht. Bisher war es so, dass der Traubenwickler (2 Unterarten) fast nur auf rote und blauer Sorten kam. Da man als Kleingärtner keine Profispritzmittel kaufen darf, kann man höchstens noch XenTari spritzen, was aber nur teilweise helfen soll und man den genauen Termin, der jedes Jahr anders ist, beachten muss, wenn die Traubenwickler ihre Eier ablegen. Das kann man als Kleingärtner kaum feststellen, da der Traubenwickler nur Nachts fliegt. In einigen Weinbaugebieten gibt es aber Warndienste für den Traubenwickler. Als Kleingärtner kann man Ärgen mit dem Traubenwickler vermeiden, wenn man keine roten und blauen Sorten anbaut. Bei mir waren letztes Jahr ca. 75 bis 90 % der Beeren meiner roten und blauen Sorten befallen, bei hellen Sorten aber weniger als 5 % oder gar keine Beeren. Dabei bin ich über 10 km vom Weinbaugebiet entfernt.

#13 RE: Sortenempfehlung von jakob 21.03.2018 12:18

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Wenn 3-4 Mal spritzen kannst pro Jahr dann Arkadia, Preobraschenie,Tigin, Beikonur, Super Extra, Galachad, Garold, K-sch Zitroni, K-sch Velez, K-sch Lutschisti usw...

#14 RE: Sortenempfehlung von Marion 22.03.2018 08:47

Vielen Dank für die Infos!
Vor allem Dietmar für die ausführliche Beschreibung zum spritzen. Nun habe ich mal das "Grundwissen" und kann mich besser einlesen!

Vielen Dank Jakob für die Sortenempfehlungen.
Habe mich bei den Sorten eingelesen. Meine bisherigen Favoriten sind Arkadia (gelb) und Rote Viktoria (rot).

Hat die rote Viktoria viele Kerne?
Was würde gegen Liwia oder Rumba sprechen?

Mir scheint rote und blaue Trauben sind weitaus "anspruchsvoller" als grüne/gelbe....

#15 RE: Sortenempfehlung von jakob 22.03.2018 09:31

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Zitat von Marion im Beitrag #12
Vielen Dank für die Infos!
Vor allem Dietmar für die ausführliche Beschreibung zum spritzen. Nun habe ich mal das "Grundwissen" und kann mich besser einlesen!

Vielen Dank Jakob für die Sortenempfehlungen.
Habe mich bei den Sorten eingelesen. Meine bisherigen Favoriten sind Arkadia (gelb) und Rote Viktoria (rot).

Hat die rote Viktoria viele Kerne?
Was würde gegen Liwia oder Rumba sprechen?

Mir scheint rote und blaue Trauben sind weitaus "anspruchsvoller" als grüne/gelbe....


Livia ist die Tohter von Arkadia und ist die bessere Arkadia und Rumba ist die Tochter von Rote Viktoria. Heißt nicht das Arkadia schlecht ist! Arkadia ist eine der besten Sorten überhaupt.

Der schein trübt! Welche dunkle Sorte weniger "Anspruchsvoll" wie Muskat Blau und welche rote Sorte weniger Anspruchsvoll wie Rote Viktoria? Die Farbe spielt keine rolle für PIWi genau so wie die Beerenform auf Geschmack

#16 RE: Sortenempfehlung von Ohne Chemie 22.03.2018 13:15

Kann die Aussage vom Jakob bestätigen. Die Traubenfarbe spielt keine Rolle.
Vor ca. 5 Jahren waren bei mir die Kyoho Traube, Muskat Blu und Piroshka alle von der falscher Mehltau total befallen. Damals war kein Traubenforum und ich war verdammt mit eigenen Fehlern zu lernen. Die Bauern geben das Wissen nicht frei. Über die Tafeltraube können Die auch nicht viel Ahnung.
Ich möchte mich beim Jakob für den Traubenforum bedanken. Herzlichen Dank auch an die aktiven Mitgliedern, die Ihr Wissen und die Erfahrung mit uns Teilen.

#17 RE: Sortenempfehlung von jakob 22.03.2018 20:39

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Ohne Urmele und Micha 74 hätte ich beschirmt nicht angefangen mit dem Forum, die Sprache ,Verantwortung, gebühren und die Angst zu versagen spielten und spielen eine große Rolle weil ein Forum ohne neugierige aktive Mitglieder ist einfach nur das "Blog" und eben keinen Forum! Ich bin Persönlich sooo froh dass unser Forum so viele Aktive, neugierige Mitglieder hat!
Und damit wir bei Thema bleiben kann ich Paar "Angeber"Sorten empfehlen die, die Nachbarn garantiert neidisch machen werden ohne das sie die probiert haben!
Arkadia, Juliana(Nadeschda Aksaja), Livia, Velez, K-sch Lutschisti,Beikonur, Charli, Preobraschenie, JubNow, Rumba, Beikonur, Daria, Dubowski Rosowi, Alwika, Scharada UA usw...

Die Sorten die nach der Probe begeistern sind noch viele mehr, die wir im Forum schon oft diskutiert haben und brauche nicht noch einmal alles aufzulisten.

#18 RE: Sortenempfehlung von Marion 23.03.2018 08:29

Na ich meinte, weil die roten und blauen Trauben ja zusätzlich noch Probleme mit der Kirschessigfliege und dem Traubenwickler haben. Davon bleiben mit Glück die grünen/gelben Trauben mehr oder weniger verschont.
Klar, das Mehltauproblem besteht bei allen "Farben und Formen".

Wenn die Livia eine Tochter der Arkadia ist, dann steht die nun oben in meiner Favoritenliste. Mit der liebäugele ich nämlich schon lange.
Dann wirds also wahrscheinlich Livia und Arkadia werden.
Jakob, bekommst Du die Livia nochmals rein? Die wird mir als ausverkauft angezeigt.

#19 RE: Sortenempfehlung von jakob 23.03.2018 10:08

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Nicht alle Dunkle machen Probleme mit Essigfliegen und die Roten fast keine...
Ja ,Arkadia und die Livia ist eine gute Wahl, habe ich leider keine einzige mehr...Ist eben sehr beliebt und erst ab August wieder zuhaben! Auch bei Rebschule Schmidt ist Ausverkauft gewesen.

#20 RE: Sortenempfehlung von Marion 05.06.2018 11:02

Hallo miteinander,

die Pergola ist seit gestern fertig gestellt, nun könnte die Reben rein…wenn es denn gerade welche gäbe ;-)

Ich habe nochmals eine Sortenfrage. Ich hatte mich ja für die Arkadia und Livia entschieden. Kann es aber sein,
dass die beiden Sorten zur gleichen Zeit reifen?
Was könnte ich denn Ersatzweise nehmen was eine frühere oder spätere Reifezeit hat?
Die Livia wäre mir recht wichtig, weil ich schon so lange mit dieser Sorte liebäugele…was ist robust und empfehlenswert
und reift früher oder später als die Livia um die Traubensaison verlängern zu können?

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